Erfahrungsbericht Südafrika: Ein Auslandssemester an der Nelson Mandela Metropolitan University

Von André Timm aus Hamburg

Im Sommersemester 2015 besuchte ich von Februar bis Juni die Nelson Mandela Metropolitan University (NMMU) in Port Elizabeth als sogenannter „Freemover“. Da es sich also um keine Partneruniversität meiner deutschen Hochschule handelte, musste ich mich eigenständig um die Organisation kümmern. Der Wunsch in Südafrika zu studieren, entstand schon vor zwei Jahren, als ich in Hamburg die „Einstieg Abi“ Messe besuchte. Dort lernte ich an einem Infostand Academic Embassy kennen, welche mich über das Studienangebot in Port Elizabeth informierte. In der Folgezeit stand mir Academic Embassy immer beratend zur Seite, stellte eine Verbindung zum südafrikanischen “International Office” her und bot mir Checklisten zur Vorbereitung an.

Bei meinem Auslandssemester handelte es sich um mein letztes Theoriesemester meines Maschinenbau-Bachelors. Da ich bereits in den vorherigen Semestern alle Pflichtmodule abgeschlossen hatte, eröffnete sich mir die Möglichkeit, jegliche Kursangebote unabhängig von meinem Studienfach zu wählen. Auch wenn Städte wie Kapstadt und Johannesburg garantiert eine aktivere Studentenszene haben, kann ich als Standort Port Elizabeth empfehlen, um die vielen Gesichter Südafrikas zu entdecken. Vor Ort selbst lässt sich alles sehr gut organisieren und die NMMU versucht bei allen Anfragen zu unterstützen. Dagegen war der gesamte Bewerbungs- und Vorbereitungsprozess etwas aufwendiger. Meine ersten Eindrücke könnt ihr auch in meinem Blog nachlesen. 

Der Ablauf der Bewerbung

Ich begann mit dem Bewerbungsverfahren bereits ungefähr 10 Monate vor dem geplanten Auslandssemester. Die Semester an der Nelson Mandela Metropolitan University beginnen jeweils zum Ende Januar und Anfang Juli. Bewerbungsfristen sind für gewöhnlich Januar der 15. November und für Juli der 30. April. Für den Fall, dass sich das Semester mit der deutschen Prüfungszeit überschneidet, gibt es Ausnahmemöglichkeiten erst verspätet zum Semester dazu zu stoßen. Ich verpasste dadurch letztlich aber nur die erste sogenannte „Orientation Week“, in welcher sich alle internationalen Austauschstudenten das erste Mal kennenlernen. Aber keine Angst, man lernt auch noch in den Folgewochen unzählige Menschen kennen. Als erstes las ich mir auf der Homepage der Nelson Mandela Metropolitan University die Angebote und die Infobroschüren für ein Auslandssemester durch.

Ebenso versuchte ich noch andere Hochschulen in Kapstadt und Johannesburg zu kontaktieren. Allerdings machte ich meine beste Erfahrung, wie bereits in der Einleitung erwähnt, mit dem offiziellen Bewerbungszentrum der Nelson Mandela Metropolitan University, Academic Embassy in Bonn, welche meine Fragen direkt beantworten konnte. Der Service von Academic Embassy ist für Studenten kostenlos. Somit erhielt ich von Anfang an Informationen, welche Schritte ich zu beachten hatte.

Im Folgenden schildere ich mein Vorgehen, bei welchem ich über Academic Embassy unterstützt wurde.

 

April 2014

  • Einreichung aktueller Notenübersicht und Liste der Kurse, welche zum Zeitpunkt des Auslandssemesters abgeschlossen sind (mit englischer Übersetzung) an Academic Embassy

Mai 2014

  • Vorauswahl von möglichen Modulen an der NMMU.

Hierzu gibt es zum Teil auf den Seiten der einzelnen Fachbereiche der NMMU Kursübersichten mit kurzen Inhaltsangaben. Alternativ kann man auch Fächerübersichten anfragen. An der NMMU gibt es unzählige Departments und entsprechend Fachangebote. Es empfiehlt sich mehr Kurse herauszusuchen, als man letztlich belegen möchte, da man dadurch flexibler ist und im Falle von Ablehnungen oder Überschneidungen noch Ausweichmodule hat. Allerdings ist die Vorauswahl auch noch nicht fix und kann zu Beginn des Semesters vor Ort nochmal komplett neu gewählt werden. Durch die Vorauswahl hat man jedoch den Vorteil, dass man in sehr beliebten Kursen schon mal einen Platz reserviert hat. Von den sechs anfangs gewählten Modulen belegte ich letztlich zwei. Zwei weitere wählte ich erst vor Ort. Grund dafür war, dass ich ursprünglich geplant hatte, meinem Studiengang entsprechende Kurse zu wählen und dann vor Ort allerdings die Chance ergriff, artfremde Kurse aus Interesse zu wählen. Am einfachsten ist es natürlich Plätze in Kursen für Erstsemester zu erhalten, da hier keine Zugangsvoraussetzungen für die Kurse bestehen. Hier eine kleine Erklärung zu den Kursnummern:

 

  • Kursnummern 100 – 1999: Erstes Studienjahr
  • Kursnummern 200 – 2999: Zweites Studienjahr
  • Kursnummern 300 – 3999: Drittes Studienjahr
  • Kursnummern 400 – 4999: Viertes Studienjahr

 

Es ist zu beachten, dass manche Kurse auch nur in einem Term angeboten werden. So unterteilen sich die Semester noch in Term 1 & 2 (1. Semester) und Term 3 & 4 (2. Semester). So geht Term 1 beispielsweise von Januar bis März, Term 2 von April bis Juni.

Insgesamt müssen 40-60 NMMU Credits gewählt werden, was 20-30 ECTS entspricht. Die Studienkosten berechnen sich unter anderem pro tatsächlich belegten Kurs (etwas 250€ pro Kurs). Ursprünglich hatte ich im Mai 2014 folgende Kurse gewählt:

  • Introduction to Industrial Psychology

  • Introduction to Philosophy

  • Political Issues, Theories And Concepts

  • Introduction to Micro Economics

  • Understanding Cultural Diversity

  • isiXhosa for Beginners

Ich habe vor Ort dann noch andere Kurse gewählt, so dass ich letztendlich folgende Kurse belegt hatte:

  • Introduction to Philosophy

  • isiXhosa for Beginners

  • Afrikaans for Beginners

  • Community Service

Dabei kann ich den „Community Service“, als die Freiwilligenarbeit, besonders empfehlen. Aber dazu später mehr.


Mai

  • Einreichung des Englischnachweises: Ich habe mich für den DAAD-Sprachtest entschieden, da er noch verhältnismäßig günstig ist (Anmerkung der Redaktion: Die deutschen Unis bieten diesen Ihren Studierenden kostenlos an) und unkompliziert an der Uni gemacht werden kann.
  • Einreichung folgender Unterlagen bei Academic Embassy: CV, Passbild, Bewerbungsformular, Reisepass, Leistungsübersicht (auf Englisch), Sprachzertifikat, Liste mit Wunschkursen (kann im Vorfeld abgesprochen werden), Immatrikulationsbescheinigung. Academic Embassy prüft die Unterlagen noch einmal und leitet sie dann an die NMMU weiter.

 

Juni

  • Erhalt der Studienzusage der NMMU

  • Arzt-Check für die Auffrischung von Impfungen


Juli

  • Überweisung erster Anmeldekosten & Kautionen (Achtung: Auslandsüberweisungen benötigen etwas länger!)

  • Erstes Sammeln von Visumsunterlagen (Siehe unten Punkt Visum)



August

  • Beantragung südafrikanischer Krankenversicherung Die deutsche Auslandskrankenversicherung wird leider nicht akzeptiert. Die NMMU und Academic Embassy helfen jedoch bei der Auswahl der richtigen Versicherung. Ich war bei der „Momentum Health Care“ und war vollends zufrieden.



September

  • Buchung Flug

  • Beantragung Visum; Sehr aufwendig! Dafür sollte man fast zwei bis drei Monate einplanen

  • Beantragung Auslandsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes



Oktober

  • Beantragung Unterkunft Die NMMU hilft bei der Vermittlung. Ich wohnte im „Summerseas 26“ und brauchte von meinem Bett in den indischen Ozean etwa 40 Sekunden. Eine Übersicht von Unterkünften gibt es ebenfalls auf der Homepage der NMMU. Es wird zumeist die Unterkunft ohne Strom gebucht. Diesen lädt man im Regelfall „prepaid“ auf seinen Stromaccount vor Ort



November

  • Erhalt Visum bis zum offiziellen Semesterende

Februar

  • Flug nach Port Elizabeth zur Nelson Mandela Metropolitan University

 

Zusammengefasst gibt es unzählig viele Dokumente. Darum empfehle ich es diese von Anfang an auszudrucken und zu ordnen. Bei Fragen steht euch Academic Embassy allerdings immer zeitnah zur Verfügung und gibt zudem nützliche Tipps. 

Die Beantragung des Studentenvisums für Südafrika

Über das Visum könnte ich bestimmt ein Buch schreiben. Kurz zusammengefasst: Auch hier hat mir Academic Embassy eine gutes Infoblatt vorbereitet, um alle Unterlagen für die Beantragung zu sammeln. Allerdings wurde mein erster Antrag nach 8 Wochen Bearbeitungszeit abgelehnt, da mein Kontoauszug, als Nachweis über ausreichend finanzielle Mittel, nicht von der Bank unterschrieben war.

Zum Zeitpunkt meiner Visumsbeantragung wurden von der Südafrikanischen Botschaft folgende Dokumente angefordert: Studienzusage (Acceptance of Offer) der NMMU, polizeiliches Führungszeugnis, ein von einem Arzt unterschriebenes medizinisches Attest, ein Röntgenbericht, ein gültiger Reisepass, eine südafrikanische Krankenversicherung, Nachweis „ausreichend“ finanzieller Mittel, schriftliche Absichtserklärung bezüglich der Ausreise, Antragsgebühr, bereits frankierter Rückumschlag und und und… Die genaue Übersicht ist auf Homepage der südafrikanischen Botschaften in Berlin und München zu finden. 

Meine Unterkunft, die Verkehrsanbindung und Sicherheit

Im Nachhinein betrachtet, hatte ich mit meiner Wohnung absolutes Glück. Allerdings habe ich auch keine total miserable Wohnung gesehen. Das „Summerseas 26“ zeichnet sich jedoch durch seine perfekte Strandlage aus. Man teilt sich das Apartment zu dritt. Leider mussten wir uns selbstständig um einen Internetzugang kümmern, da unser Vermieter immer sehr beschäftigt war. Die Verkehrsanbindung ist ebenfalls sehr gut, da vor der Haustür Gruppentaxis halten. Ebenso ist auch die Miete eines eigenen Autos dort verhältnismäßig günstig. So teilte ich mir mit meinem Mitbewohner einen Golf II, welchen wir über affordablecarhire.co.za gebucht hatten.

Das Thema Sicherheit ist in Südafrika natürlich brisant. Nachdem mir schon beim Kauf eines Reiserucksacks in Deutschland mitgeteilt wurde, dass ich auf gar keinen Fall abends an einer roten Ampel halten dürfte und man in seiner südafrikanischen Unterkunft hinter einem zwei Meter hohem Elektrozaun mit Sicherheitspersonal sitzt, kann man sich schon fragen, was auf offener Straße passieren kann. Allerdings bekommt man sehr schnell ein Gefühl für das Land und weiß, welche Gebiete man vielleicht um Mitternacht meiden sollte. Allerdings sind die Unterkunft und die NMMU in einem verhältnismäßig sicheren Gebiet der Stadt. Ich hatte während meines gesamten Aufenthalts in Südafrika ein gutes Gefühl und habe die Menschen als sehr freundlich und zuvorkommend wahrgenommen. Wer sich also mit gesundem Menschenverstand nach Dämmerung in einer Gruppe von mindestens drei Personen aufhält, sollte eigentlich nichts befürchten. Dennoch gibt es sehr viel Armut und insbesondere andere Großstädte wie Kapstadt bergen bei fehlender Ortskenntnis vielleicht ein paar skurrile Ecken. Aber macht euch nicht mit Artikeln im Internet verrückt!

Die Kosten eines Auslandssemester in Südafrika

Hier eine kleine Übersicht über die Kosten meines Auslandssemester an der Nelson Mandela Metropolitan University:

 

Vorbereitung

  • Arztkosten: 50 Euro

  • Visumsgebühr: 50 Euro

  • Hin- & Rückflug: 1000 Euro

 

Unterkunft

  • Kaution für Unterkunft: 150 Euro

  • Unterkunft Miete (5 Monate): 1500 Euro

 

Studiengebühren

  • Bewerbungsgebühr: 40 Euro

  • Orientierungswoche: 40 Euro

  • Einschreibungsgebühr: 70 Euro

  • Acceptance Fee: 300 Euro

  • Verwaltungsgebühr: 360 Euro

  • Zusätzl. Studiengebühren für Intern. Studierende: 610 Euro

  • Kursgebühren: 1000 Euro

 

Sonstiges

  • Südafrikanische Krankenkassen: 170 Euro

Die Nelson Mandela Metropolitan University

Die NMMU besitzt zwei Hauptcampusse: Den North- und den South-Campus. Die NMMU hat ein sehr aktives Leben, lädt regelmäßig zu Veranstaltungen, Rugby-Spielen oder wöchentlichen Activities ein. Die von mir belegten Kurse wurden alle sehr enthusiastisch vorgetragen und motivierten regelmäßig zu den Seminaren und Vorlesungen zu gehen. Vieles läuft allerdings auch über das Internet in Form von Onlinequizzen ab. Am meisten gefiel mir der Kurs „Introduction to Philosophy“, da hier zu interessanten Fragestellungen Essays angefertigt werden mussten.

Die Sprachkurse Afrikaans und Xhosa halfen mir besonders im Umgang mit den Menschen in Südafrika weiter, obwohl man natürlich mit Englisch fast immer weiterkommt. Zum Ende des ersten Terms gab es Zwischenklausuren und eine mündliche Prüfung. Zum Abschluss des Semesters stehen dann die Abschlussklausuren an.

Beim Community Service (d.h. Volunteering, Freiwilligenarbeit) fuhren wir in einer kleinen Gruppe wöchentlich in ein Waisenheim inmitten eines Townships und unterstützten die Kinder bei den Hausaufgaben und anderen Aktivitäten.

Die NMMU zieht Studenten aus ganz Südafrika an. Der Anteil der internationalen Studenten liegt bei ungefähr 10 Prozent. Von Port Elizabeth aus kann man viele Ausflüge an Wochenenden unternehmen. Auch Flüge nach Kapstadt und Johannesburg sind relativ preiswert. Und wenn man lieber in Port Elizabeth bleibt, kann man sich definitiv auch im Surfen probieren. 

Mein Fazit

Ich habe in Port Elizabeth an der NMMU viele nette Menschen aus der gesamten Welt kennengelernt. Das Studieren an der NMMU hat sehr viel Spaß gemacht und kann ich jedem nur empfehlen! Das Auslandsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes war eine großartige Chance dieses Semester zu realisieren!