Erfahrungsbericht Auslandssemester Südafrika: Nelson Mandela Metropolitan University (NMMU)

Ein Auslandssemester in Südafrika ist eine tolle Alternative zu den klassischen Zielen in Europa, da es durch abwechslungsreiches Freizeitprogramm und niedrige Kosten überzeugt. Im Anschluss an sein Auslandssemester an der Nelson Mandela Metropolitan University (NMMU) in Port Elizabeth, konnten wir unserem Teilnehmer Robin Röscheisen ein paar Fragen zum Studium in Südafrika stellen.

Inwiefern hat Academic Embassy Ihnen bei der Vorbereitung des Auslandssemesters in Südafrika geholfen?

Academic Embassy hat SEHR geholfen, da meine Heimatuniversität ein Auslands- bzw. Praxissemester voraussetzt, aber kaum Partnerschaften bestehen. Viele Universitäten, die ich angeschrieben habe, haben gar nicht oder nur sehr spät geantwortet oder waren unbezahlbar. Academic Embassy hat mir sehr bei der Bewerbung an der Nelson Mandela Metropolitan University in Port Elizabeth, Südafrika geholfen, da es deutlich einfacher ist, die Unterlagen in Deutschland einzureichen und hierzulande eine Kontaktperson zu haben, als mit der Universität im Ausland zu kommunizieren.


Warum haben Sie sich für ein Auslandssemester in Südafrika entschieden?

Für mich war der Studienaufenthalt an der NMMU aus vielen Gründen die richtige Entscheidung. Ein wichtiges Kriterium waren die Kosten. In Südafrika kann man deutlich kostengünstiger Studieren als an den traditionellen Studienzielen. Trotzdem hat die Uni ein riesiges Angebot an Kursen, Sport und Kultur. Da ist für jeden etwas dabei! Auch die Betreuung der International Students war super. Ein zweiter, wichtiger Grund war das Land an sich. Es war für mich die Chance zum ersten mal nach Afrika zu reisen, in einem wirtschaftlich aufstrebendem Land, von dem man hervorragend auch umliegende Länder bereisen kann.


Das bedeutet, Sie hatten vorher keinerlei Erfahrung mit Südafrika gesammelt?

Nein, überhaupt keine. Es herrschten eher allgemeine von Medien induzierte Vorurteile. Von ein paar Bekannten hatte ich jedoch nur Gutes gehört.


Haben Sie für das Auslandssemester Auslands-BAföG in Anspruch genommen?

Ich habe Auslands-BAföG erhalten, jedoch musste ein Großteil der Kosten (Flug, Versicherung, Anzahlungen an die Uni, Miete) vorab gezahlt werden. Auslands-BAföG ist eine riesige Entlastung, weil man während eines Auslandssemesters mehr ausgibt, als sonst während mehreren Semestern in Deutschland. Zudem kann man während dieser Zeit oft nicht arbeiten z.B. weil es das Visum nicht erlaubt, es zeitlich nicht möglich ist, es keine verfügbaren Jobs in der Nähe gibt oder, weil es sich durch die geringe Bezahlung nicht lohnt.


Was mussten Sie alles vor der Abreise nach Südafrika erledigen?

Vor der Abreise musste sehr viel erledigt werden. Ich habe das Visum beantragt, die vorgeschriebene südafrikanische Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, mich für eine der von der Nelson Mandela Metropolitan University angebotenen Unterkünfte entschieden, die Miete gezahlt, die Formalitäten an meiner deutschen Universität sowie mit der NMMU abgeklärt und meine Wohnung untervermietet. Manche Kleinigkeiten kann man auch vor Ort erledigen, z.B. sind Steckdosenadapter dort in jedem Supermarkt erhältlich und kosten einen Bruchteil von dem, was man in Deutschland dafür zahlen würde. Dies ist natürlich von Land zu Land unterschiedlich. Insgesamt blieb mir extrem wenig Zeit vor der Abreise, da ich aufgrund des frühen Semesterbeginns in Südafrika mitten in der Klausurphase abreisen musste. Ich kann nur jedem empfehlen, lieber ein bisschen weniger einzupacken, damit man am Ende keinen extra Koffer zurückschicken muss.


Wo haben Sie während Ihres Auslandssemesters an der NMMU gewohnt?

Ich habe mit drei anderen deutschen Studenten in einem Bungalow in Summerstrand, dem direkten Vorort der Uni, gewohnt. Das International Office organisiert die Unterkünfte für internationale Studierende nach sehr strengen Sicherheitsrichtlinien. Jeder von uns hatte ein eigenes Zimmer (ca. 15m²), so dass wir uns zwei Badezimmer und ein großes Wohnzimmer mit Küche geteilt haben. Zudem hatten wir einen Außenbereich zum Wäsche aufhängen, Autos parken und Grillen. Das Haus wurde mit Ausnahme der Zimmer jede Woche geputzt. Die meisten Unterkünfte haben, basierend auf vergangenen Erfahrungen, unerwartet strenge Regeln, die man als deutscher Student nicht gewohnt ist. Man sollte sich daher den Vermietern gegenüber gerade zu Beginn sehr umsichtig verhalten.


Wie haben Sie sich rund um den Campus der NMMU fortbewegt?

Meine Mobilität war zu anfangs extrem eingeschränkt weil das Transportsystem ganz anders funktioniert als in Deutschland. Es gibt keinen ÖPNV in Form von Schienenverkehr und die Busfahrten in andere Städte sind relativ teuer. Innerhalb der Stadt kann man für manche Strecken Minibusse nehmen. Diese sind wirklich günstig, jedoch kann man damit nicht alle Ziele zu jeder Zeit erreichen. Eine weitere Möglichkeit bieten Taxis, die zwar erheblich günstiger als in Deutschland sind, sich jedoch bei regelmäßigen Fahrten auf Dauer im Geldbeutel bemerkbar machen. Im Schnitt habe ich jede Woche an etwa zwei Tagen ein Taxi genommen, meistens zusammen mit anderen Austauschstudenten.

Der Großteil der Austauschstudenten hat sich zu Beginn des Semesters an der NMMU Fahrräder gekauft. Das hat auch mich deutlich mobiler gemacht. So verkürzte sich die Zeit, die ich von Zuhause bis in die Vorlesung gebraucht habe, von etwa 45 auf 15 Minuten. Ein ernstes Problem, das man vor Ort mit Fahrrädern hat, ist, dass extrem viele Stacheln von Palmen sowie Glasscherben rumliegen. Daher sollte man sich darauf einstellen, sehr häufig den Schlauch ersetzen oder flicken zu müssen. Pannenschaum hat auch gut geholfen. Viele Austauschstudenten haben sich ein neues Fahrrad gekauft, welches nach 3 Fahrten ein halbes Jahr lang mit plattem Reifen rumstand. Ich habe mein Fahrrad anschließend zum halben Preis verkaufen können und habe somit insgesamt für den Zeitraum meines Auslandssemesters im Schnitt unter einem Euro pro Tag gezahlt, was ich als sehr günstig erachte, da ich es fast täglich mindestens 30 Minuten genutzt habe.

Viele Austauschstudenten haben sich Autos gekauft oder längerfristig gemietet, was sich positiv auf die Mobilität deren Freunde und Mitbewohner auswirkte. Diese Langzeit-Mietwagen sind, wenn man sie sich teilt, sehr günstig jedoch anfällig und wegen mangelnder Standardsicherheitsausrüstung (Airbags, ABS und funktionierende Gurte) nicht für längere Strecken zu empfehlen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass Südafrika statistisch gesehen in den Top 10 der Länder mit den meisten Verkehrstoten ist. Ich habe mir mit Freunden regelmäßig Autos für Reisen in Südafrika und den Nachbarländern gemietet. Das Preis-Leistungsverhältnis hierfür war super und die Autos waren neuwertig, sicher und umfangreich versichert. Man kann sich zum Beispiel zu zweit für eine Woche einen Kleinwagen mit unbegrenzten Kilometern und vollständiger Schadensversicherung ohne Selbstbeteiligung für etwa 100 € pro Person mieten.

Grundsätzlich kann man also mit den unterschiedlichen Fortbewegungsmitteln sehr mobil sein. Während des Auslandssemesters habe ich insgesamt etwa 10,000 km mit allen denkbaren Verkehrsmitteln zurückgelegt.


Wie gestaltete sich die Einführungswoche?

Die Einführungswoche war vielseitig und gut organisiert. Es fanden viele wichtige Veranstaltungen (z.B. Seminare zu den Themen Wohnen, Krankenversicherung, Sicherheit und Universitätsangelegenheiten) statt. Es gab aber auch stressige Momente: Kurswahl, größere Partys, Sportveranstaltungen, Stadttour und ein afrikanischer Trommel- und Tanz Workshop. Grundsätzlich war die Einführungswoche eine super Gelegenheit die Umgebung und andere Austauschstudenten kennenzulernen. Außerdem haben wir an einem Strand im Naturschutzgebiet Müll eingesammelt. Eine super Idee!

Reisen während des Auslandssemesters in Südafrika
Die Reiseroute von Robin Röscheisen während seines Auslandssemesters in Südafrika

Welche Erfahrungen haben Sie bezüglich der Verpflegung auf dem Campus der NMMU gemacht?

Leider gab es auf dem Campus keine Mensa, aber dafür einen Food Court. Ich habe etwa zweimal die Woche dort gegessen. Oft konnte ich zwischen den Vorlesungen Zuhause etwas essen oder habe eine Kleinigkeit mitgenommen. Es gab zudem kleinere Läden in denen man fertiges Essen kaufen konnte.


Welche Erfahrungen haben Sie mit den Mitarbeitern der Universität gemacht?

Vieles war sehr viel aufwendiger, als an meiner Universität in Deutschland. Dies liegt unter anderem daran, dass Gebühren für die gewählten Kurse entrichtet werden müssen. Auch wenn viele Prozesse lange gedauert haben, waren die Abläufe und Zuständigkeiten klar geregelt, sodass jede Hürde überwunden werden konnte. An meiner deutschen Uni, zum Vergleich, empfinde ich Verwaltungsangelegenheiten als deutlich schwieriger, weil sich oftmals niemand verantwortlich fühlt oder Verantwortliche nicht anzutreffen sind. Etwas schade war, dass viele Kurse nicht von den zuständigen Professoren unterrichtet wurden, wodurch die Qualität gelitten hat. Da die Vorgaben meiner Heimatuni bezüglich der Kurswahl sehr flexibel waren, habe ich mich in etwa 10 Kurse eingeschrieben und nur die besten beibehalten.


Wie stellt man sich das Studentenleben auf dem Campus vor?

Ich war sehr glücklich in Port Elizabeth zu sein, weil es landschaftlich eine totale Umstellung war, im Winter bei 0°C abzureisen und bei 25°C direkt in Meeresnähe anzukommen. Ich hatte zurecht direkt von Anfang an ein gutes Gefühl.

Port Elizabeth ist meiner Meinung nach eine wirklich schöne Stadt. Insbesondere im näheren Umfeld gibt es extrem viel zu entdecken. Die Uni liegt im schönsten Teil der Stadt. Die Gebäude auf dem Campus sind nicht die schönsten, jedoch gibt es viele Grünflächen und Angebote verschiedener Arten. Darüber hinaus verirren sich eine Menge Affen auf den Campus, die immer wieder für Aufsehen sorgen.


Erzählen Sie doch etwas über die Kurse und Vorlesungen, die Sie an der NMMU belegt haben.

Einerseits habe ich den inhaltlichen Anspruch der Vorlesungen im Vergleich zu Deutschland als geringer empfunden, andererseits herrschte stets Anwesenheitspflicht und man musste für fast jedes Fach wöchentlich Aufgaben einreichen und Tutorials besuchen, sodass man sich intensiver mit den Inhalten auseinandersetzte, als man dies vielleicht in Deutschland tun würde. Die Kursgröße war absolut angemessen. Im Schnitt hatte ein Kurs gefühlt unter 60 Studierende, in den Tutorials waren es meistens unter 15. Es wurde gelegentlich erwartet in den Kursbüchern zu lesen. Da sich dies jedoch mit den Inhalten der Vorlesung sehr gut abdeckte, konnte dies als eher optional betrachtet werden. Im Schnitt musste man pro Vorlesungseinheit eine Seite Text einreichen. Viele Fächer fanden zweimal die Woche statt oder einmal die Woche über 4 Stunden.

Die Bewertung war in jedem Fach etwas anders. Dies konnte vorab in den Kursbeschreibungen online eingesehen werden. Es gab während des Semesters angekündigte Tests und am Ende des Semesters für jedes Fach eine Abschlussprüfung. Leider ging es bei fast allen Fächern eher darum Wissen auswendig zu lernen, anstatt es anzuwenden.

Die Dozenten empfehlen zwar viele Bücher, jedoch stellte sich im Nachhinein heraus, dass diese nicht unbedingt notwendig waren. Ich habe daher nur Geld für Ausdrucke und Kopien ausgegeben. Ironischerweise waren einige Bücher erst nach den ersten Prüfungen lieferbar.


Ist die Ausstattung der NMMU mit der Ihrer Heimatuniversität zu vergleichen?

Meine Heimatuni in Deutschland gehört zu den neuesten des Landes, wodurch ein Vergleich der Räumlichkeiten mit Auslandsuniversitäten fast unfair ist. Das Schöne an der Nelson Mandela Metropolitan University war der riesige Campus mit eigenem Naturschutzgebiet. Leider waren die Lerneinrichtungen wie Räume, Mobiliar, technische Ausrüstung und Bibliothek, nicht immer überzeugend. Diese Erfahrung kann sich jedoch von Person zu Person unterscheiden, da es auch Teile der NMMU gibt, die erst vor kurzem renoviert oder gebaut wurden und daher modernsten Standards entsprechen.


Inwiefern ist es Ihnen gelungen, neue Freundschaften mit südafrikanischen und anderen internationalen Studierenden zu schließen?

Ich konnte sehr schnell Freundschaften mit den anderen internationalen Studierenden schließen, so dass wir regelmäßig gemeinsam verreisen und gemeinsamen Hobbys nachgehen konnten. Leider hatte ich fast gar keinen Bezug zu den inländischen Studierenden. Dies hat verschiedene Gründe: Einerseits sind sechs Monate eine kurze Zeit, um Freundschaften aufzubauen, besonders weil man als Austauschstudent oft jeden Kurs mit komplett unterschiedlichen Studierenden aus unterschiedlichen Semestern hat. Zum anderen ist mir aufgefallen, dass oft gar keine Gemeinsamkeiten mit meinen Kommilitonen bestand. Außerdem haben im Umfeld der Unterkünfte für Austauschstudenten nur wenige Südafrikaner gewohnt. Außerhalb der Uni war ich jedoch regelmäßig unter Südafrikanern, z.B. aufgrund gleicher Hobbys.


Welche Freizeitmöglichkeiten haben Sie wahrgenommen?

Mein Auslandssemester in Südafrika hat mir die besten Freizeitmöglichkeiten meiner ganzen Studienzeit ermöglicht. Ich war sehr oft mit anderen internationalen Studierenden Tauchen und habe meine „Divemaster Zertifizierung“ erreichen können. Zudem konnte man perfekt joggen gehen, das Uni Fitness-Studio hat umgerechnet nur etwa 10€ gekostet, es gab viele Strände in der Nähe, es wurde ein Surfkurs angeboten, man konnte sich zum Bowlen, Kino und Essen treffen und ausgehen. An sich, gibt es in Port Elizabeth für jeden etwas. An Freizeitmöglichkeiten aller Art hat es also nicht gemangelt!


Welche Ziele in und um Südafrika haben Sie erkundschaften können?

Innerhalb von Südafrika und Swasiland habe ich mit Freunden alle größeren Städte besucht, dazu sind wir durch Botswana nach Victoria Falls in Zimbabwe gereist. Einige Austauschstudenten sind noch deutlich mehr gereist z.B. nach Namibia, Lesotho, Sambia und Mosambik.


Vielen Dank für das Interview, Herr Röscheisen.