Erfahrungsbericht: Medizinstudium an der Riga Stradins Universität

 

von Matthias Z. aus Bonn (März 2013)

Medizin zu studieren, ist seit vielen Jahren ein großer Wunsch von mir! Mein Abi habe ich 2011 mit 19 Jahren gemacht und im gleichen Jahr noch eine Krankenpflegeausbildung angefangen. Leider sind die Chancen sind mit einem Abiturschnitt von 2,3 in Deutschland ja doch eher bescheiden. Die Pflegeausbildung war nicht schlecht aber doch insgesamt unbefriedigend, weil sie de facto einfach nicht das ist, was ich später wirklich machen will. Ich habe mich dann also nach knapp anderthalb Jahren (Winter 2012) dazu entschieden es doch im Ausland zu probieren.

Bewerbung an der Riga Stradins Universität

Durch Freunde und Academic Embassy habe ich dann erfahren, dass mittlerweile neben anderen Zielen in Europa (z.B. Ungarn) die lettische Haupstadt Riga ein interessanter Anlaufpunkt ist. Nachdem ich mich ein bisschen darüber informiert hatte, war ich zwar immer noch nicht hundertprozentig überzeugt aber doch gewillt es zumindest zu versuchen. Die Riga Stradins Universität soll vor allem wegen des guten Professoren/Studenten-Verhältnisses attraktiv sein.

Über Academic Embassy habe ich die Bewerbungsunterlagen nach Riga geschickt und kurz vor Ende der Fristen kam für mich total überraschend die Zusage. Da ich die Unterlagen so spät losgeschickt hatte, hatte ich nur noch vier Tage um mich dafür oder dagegen zu entscheiden. Nachdem ich mich für Riga entschieden hatte, waren es lediglich noch drei Wochen bis es losgehen sollte. Ich war vorher zwar mehrfach, aber immer nur kurz im Ausland und daher überhaupt keine Ahnung, ob ich es in Riga durchhalten und mit dem Englisch klar kommen würde. Dementsprechend war die Aufregung natürlich groß!

Meine Ankunft in Riga: Erste Eindrücke

Impressionen aus der Orientierungswoche
Stadtführung während der Orientierungswoche

Als ich dann am Flughafen in Riga ankam, war ich zuerst von der doch durchaus kalten Temperatur überrascht. Es waren jedoch nur minus fünf Grad Celsius und nicht minus 20, was man sonst so oft über diese Gegend hier hört.

Ich hab mir für die ersten 3 Wochen ein Zimmer im „Hotel A1“ gemietet. Über die Riga Stradins Universität habe ich das Zimmer zu speziellen Konditionen bekommen, so dass es nicht nur erschwinglich, sondern für die ersten Tage/Wochen auf jeden Fall ausreichend ist, was Komfort und Lage anbelangt.

Das Studienprogramm startet mit einer Orientierungswoche, die echt super war! Die Mitarbeiter des International Office haben sich große Mühe gegeben uns so viel zu bieten, wie es nur geht. Durch die gemeinsamen Stadtführungen, Exkursionen und Kinobesuche hat man hier echt schnell Freunde gefunden, mit denen man abends weggehen konnte. Das war auch im Sinne des Dekans der Fakultät, der jedoch betonte, dass danach keine Zeit mehr für Feiern bleiben würde...

Die Uni selbst ist nicht das schönste Gebäude, aber sie erfüllt ihren Zweck. Die Räume sind alle zweckmäßig und teilweise sehr modern eingerichtet. Auf dem recht kleinen „Campus“ gibt es eine Cafeteria mit typischem Mensaessen. Das klingt recht wenig, aber da es in der ganzen Stadt verteilt Gebäude der Riga Stradins Universität gibt, in denen man Unterricht hat (u.a. das Anatomikum) ist es völlig ausreichend.

In der Stadt ist alles echt einfach zu erreichen, da fast überall ein Bus, Trolleybus oder die Tram fährt. Über die Uni bekommt man Vergünstigungen beim eines Semestertickets für den ÖPNV.

Studienbedingungen an der Riga Stradins Universität

Es ging in so ziemlich jedem Fach sofort los. In Anatomie werden Knochen und Bänder gelernt sowie Tests geschrieben. Andere Fächer, wie Molekularbiologie, Zellbiologie oder Chemie, sind auch nicht ohne und das erste Kolloquium ließ auch nicht lange auf sich warten! Anwesenheit ist in allen Classes (Kleingruppenunterricht) Pflicht. Leider kann man nicht so viele Vorlesungen auslassen, wie man sich das manchmal wünscht. Die Vorlesungen besucht man grundsätzlich mit allen Medizinstudenten des Jahrgangs. Außerdem gibt es Unterricht in Kleingruppen von ca. 10-14 Studenten. Hier ist auch die Betreuung durch die Professoren sehr persönlich, was natürlich hilft, wenn man mal Fragen zum Stoff hat. Insgesamt kann man sagen, dass es zwar am Anfang hilft eine Ausbildung, Vorsemester oder ähnliches gemacht zu haben, aber letztendlich ist das Tempo hier echt krass und die Hilfen durch Vorwissen lassen schnell nach…

Das Leben in Riga: Günstige Lebenshaltungskosten

Impressionen aus der Altstadt in Riga
Impressionen aus der Rigaer Altstadt

Von der Uni wird an zusätzlichem Lernmaterialien kaum etwas gestellt. Man muss sich einige Bücher kaufen, bzw. vor Ort kopieren. Das treibt die Kosten zu Beginn des Studienprogramms ein wenig nach oben. Nachdem was ich gehört habe, ist es hier aber nicht wirklich anders als an deutschen Universitäten. Davon sollte man sich also nicht abschrecken lassen. Es ist viel Geld insgesamt, aber vor allem im ersten Monat ist das, glaube ich, relativ normal. Das pendelt sich ein, sobald man die ersten wichtigen Ausgaben getätigt hat und dann, wie ich nun, in einer eigenen Wohnung lebt.

Die eigene Wohnung zu finden, ist insgesamt recht einfach. Man muss nur versuchen den Spagat zwischen Uni und Wohnungssuche zu schaffen und das zu einem passenden Zeitpunkt zu machen. Ich kann nur empfehlen die ganze Geschichte recht schnell anzugehen, aber bezüglich der Auswahl der Mitbewohner nichts zu überstürzen. Es hilft immens sein eigenes Zimmer außerhalb eines Hotels zu haben und einen einigermaßen geregelten Tagesablauf planen zu können. Abgesehen davon sind die Mietpreise hier teilweise deutlich günstiger als in Deutschland. Ich wohne beispielsweise mit zwei Freunden in einer ca. 90 Quadratmeter Wohnung und wir zahlen zusammen kalt 640€. Das ist für Riga-Verhältnisse ziemlich viel, aber es geht durchaus noch 100€ bis 150€ günstiger.

In der eigenen Wohnung zu sein, erleichtert das Lernen doch sehr. Es gibt zwar Bibliotheken, in denen man lernen kann. Aber es ist aber häufig so, dass man nicht alleine lernt und da ist dann die eigene Wohnung echt hilfreich.
Wegen des riesigen Berges an Lernstoff, hat es sich bei mir noch nicht ergeben eine Freizeitaktivität anzufangen. Das will ich auf jeden Fall ändern, wenn es der Uniplan hoffentlich bald zulässt. Wegen des umfassenden Unikalenders hat auch das Sightseeing bisher ein bisschen gelitten. Ich hatte noch nicht wirklich die Ruhe mir etwas anzugucken. Die Freizeit, die man hat, verbringt man dann lieber mit Freunden in einer der vielen Bars oder Cafes! ;-)

Mein Fazit nach den ersten Wochen

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich schon jetzt nach circa einem Monat weiß, dass ich diese Erfahrung hier an der Riga Stradins Universität nicht missen will! Ich habe mich hier echt schnell zurecht gefunden und neue Freunde gemacht und mittlerweile - trotz des großen Lernaufwandes - das Gefühl, meinem Wunsch Arzt zu werden, ein Stück nähergekommen zu sein!