Erfahrungsbericht über ein Auslandssemester an der Nelson Mandela University in Port Elizabeth

Von Pascal Güssen

 

Ein Auslandssemester in Südafrika an der Nelson Mandela University (NMU) direkt am Indischen Ozean bringt viele neue Erfahrungen mit sich. Hier spricht Pascal Güssen über seine Erlebnisse an der NMU in Port Elizabeth und gibt Ihnen Informationen aus erster Hand zur Unterkunft auf dem Campus der NMU, Preise und Kosten eines Auslandssemesters in Südafrika, die Inhalte der Kurse und weitere spannende Themen im Bezug auf ein Studium in der "Rainbow Nation".

Bunte Häuser in einem Dorf in Südafrika

Wann haben Sie mit der Vorbereitung Ihres Auslandssemesters an der Nelson Mandela University begonnen?

Der erste Kontakt zu Academic Embassy wurde ca. neun Monate vor Beginn des Auslandssemesters hergestellt. Meine Hochschule in Deutschland, die EUFH, kooperiert nicht mit der NMU, wodurch viele organisatorische Dinge selbst zu erledigen sind (Bewerbung, Visum, Unterkunft, etc.), deswegen empfiehlt es sich, früh genug mit der Planung anzufangen.

 

Benötigten Sie ein Visum für das Semester in Südafrika?

Ja, für das Visum werden einige Dokumente und Unterlagen benötigt, welche persönlich bei der südafrikanischen Botschaft in Berlin vorgelegt werden müssen. Academic Embassy stellt eine Checkliste für die Unterlagen aus und hilft bei jeglichen Fragen weiter.

 

Gab es beim Abschluss von Versicherungen (Haftpflicht, Krankenkasse etc.) Besonderheiten zu beachten?

Ja, es musste eine südafrikanische Versicherung abgeschlossen werden, um sich immatrikulieren zu können. Ich habe mich für die Momentum Health entschieden, bei der eine bequeme Onlineanmeldung möglich ist. Zusätzlich habe ich eine Auslandsversicherung bei einem deutschen Anbieter abgeschlossen, welche allerdings optional ist.

 

Wo haben Sie gewohnt (Studentenwohnheim, WG etc.)? Wie würden Sie Ihre Unterkunft beschreiben? War diese empfehlenswert?

Insgesamt werden drei Unterkünfte angeboten: das neue Campus Key, das alte Campus Key und das Summerstrand Hotel. Es gibt einige Vor- und Nachteile zwischen Campus Key und Summerstrand Hotel, die individuell betrachtet werden müssen. Das Summerstrand Hotel ist beispielsweise günstiger als das Campus Key, dafür liegt es ein kleines Stückchen weiter außerhalb und das Campus Key ist moderner. Die einzelnen Zimmer im Summerstrand Hotel sind größer und es gibt einen Pool am Hotel, der genutzt werden kann, wohingegen im Campus Key mehr ein WG-Leben stattfindet. Ich habe im Summerstrand Hotel gewohnt, wo es einen Trakt speziell für Studenten gibt. Ich persönlich war mit der Unterkunft sehr zufrieden. Ich habe das Auslandssemester mit meiner Freundin zusammen gemacht und im Campus Key hätten wir nicht zusammen in einem Zimmer übernachten können, was ein Ausfallkriterium war. Wir hatten im Summerstrand Hotel sogar das Glück, in einem Zimmer mit Meerblick zu wohnen. Die Atmosphäre im Hotel ist super, meistens haben wir uns mit den anderen (ca. 20) internationalen Studenten abends in der Gemeinschaftsküche getroffen und dort zusammen gekocht.

Elefanten in Südafrika

Haben Sie Studiengebühren an der NMU bezahlt? Wenn ja, in welcher Höhe?

Die Studiengebühren belaufen sich, je nach Kurswahl, auf 2.000-3.000€

 

Wie hoch schätzen Sie die Lebenshaltungskosten in Südafrika ein?

Im Supermarkt sind die Preise für Essen und Trinken ähnlich wie in Deutschland, wohingegen die Preise in Restaurants meist günstiger als in Deutschland sind. Die Lebenshaltungskosten variieren zudem mit den Freizeitaktivitäten und dem Lebensstil insgesamt.

 

Wie lief Ihre Kurswahl an der NMU ab (online, vor Ort, „course crashing“ etc.)?

In der Orientierungswoche verbringt man einen Vor- oder Nachmittag in einem Raum und hat dort Zeit die Kurse zu wählen. Für Fragen halten sich dort Dozenten oder Studenten auf. Es ist jedoch zu empfehlen, sich vorab einen Überblick über die Kurse zu beschaffen, da die Zeit bei der finalen Kurswahl begrenzt ist und man schauen muss, dass die Kurse sich zeitlich nicht überschneiden. Eine Übersicht mit allen Kursen inkl. Credits und Inhalten findet man auf der Homepage der NMU.

 

Welche Kurse haben Sie belegt und aus wie vielen Studierenden bestand ein Kurs? Würden Sie Ihre Wahl weiterempfehlen?

Ich habe folgende Kurse belegt: Public Economics (ECO301), Economics of Financial Markets (ECO302), Marketing Management (EBM201), Introduction to Communication Studies (LMC101) und Introduction to Industrial Psychology (EZZ101). Die Kurse waren unterschiedlich besucht, manche bestanden aus 100 und manche aus 400 Studierenden. Der Arbeitsaufwand und das Anspruchsniveau der Kurse im Fachbereich Business and Economics sind sehr hoch. Zwischendurch werden pro Kurs mehrere Tests geschrieben, welche man bestehen muss, um für das Examen am Ende des Semesters zugelassen zu werden.

 

Wie hoch schätzen Sie den Anteil der ausländischen Studierenden an Ihrer Gasthochschule ein?

Der Anteil im Vergleich zu den einheimischen Studenten ist sehr gering. Insgesamt waren wir ca. 150 internationale Studenten.

 

War es leicht, mit einheimischen Studierenden in Kontakt zu kommen?

Ja, es war leicht, das hängt allerdings sehr von der eigenen Persönlichkeit ab. Als eher offener Mensch kommt man dort schnell mit einheimischen Studierenden in Kontakt, da die Südafrikaner an sich ein sehr offenes Volk sind. Durch Hausarbeiten oder auf Partys kommt man schnell mit Einheimischen in Kontakt.

 

In welcher Unterrichtssprache fanden die Kurse der NMU statt?

Alle Kurse (bis auf die gewählten Sprachen, wie bspw. Xhosa), fanden auf Englisch statt.

 

Werden an der NMU Sprachkurse (studienbegleitend oder vor dem Studium) angeboten und haben Sie einen der Kurse belegt?

Es wurden unterschiedliche Sprachkurse angeboten (Xhosa, Afrikaans, Zulu, Französisch, etc.), welche wie jeder andere Kurs gewählt werden konnten und wofür eine Gebühr bezahlt werden musste. Allerdings geben diese Kurse nicht viele ECTS und andere internationale Studenten haben mir erzählt, dass der Arbeitsaufwand sehr hoch sei. Ich selber habe keinen weiteren Sprachkurs dort belegt.

Klippe und Meer in Südafrika

Wie gestaltete sich die Betreuung durch die NMU vor Ort?

Bei Fragen konnte man jederzeit eine E-Mail schreiben, welche zügig beantwortet wurde. Während der Orientierungswoche hat man einen Gruppenleiter, der einem bei sämtlichen Fragen weiterhilft. Zudem gibt es das International Office, in dem während den Öffnungszeiten jederzeit jemand persönlich anzutreffen ist. Wichtige Termine, wie beispielsweise von Tests, Abgabefristen von Hausarbeiten und Examen wurden immer vom entsprechenden Dozenten in der Vorlesung genannt und auch per E-Mail kommuniziert.

 

Gab es Studentengruppen (LEI, ESN etc.), die Veranstaltungen, Partys, Ausflüge oder Sprachtandem für internationale Studierende angeboten haben? Wenn ja, haben Sie diese besucht?

Von der NMU wurden zwei Wochenendtrips angeboten und man erhielt fast täglich E-Mails über bevorstehende Veranstaltungen (Sportevents, Partys, etc.). Wir haben jedoch überwiegend eigenständig mit anderen internationalen Studenten kleinere Trips und Freizeitaktivitäten gemacht.

 

Gab es an der NMU studentische Gruppen für Sport, Musik, Kultur etc.?

Das Angebot hierfür ist extrem groß und vielseitig. Es werden unterschiedliche Sportarten, z.B. Rugby, Fußball, Basketball, Tennis, Surfen angeboten. Zudem verfügt der Campus über ein eigenes Fitnessstudio, welches für das Semester einmalig ca. 55€ gekostet hat.

 

Thema „Transport“: Hat die NMU ein Semesterticket angeboten? Haben Sie die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt oder ist ein Auto vonnöten?

Die öffentlichen Verkehrsmittel bestehen dort aus sogenannten Mini Taxen, welche zwar günstig, aber nicht die schnellsten Fortbewegungsmittel sind, da sehr gerne Umwege gefahren werden, um möglichst viele Leute mitzunehmen. Wir haben uns dort, so wie die meisten internationalen Studenten vom Summerstrand Hotel, einen Mietwagen angeschafft. Ansprechpartner ist hier Karl, er empfängt die internationalen Studenten bereits am Flughafen und verteilt Visitenkarten. Aufgrund dessen, dass er deutsche Eltern hat, spricht Karl selber deutsch. Ein Mietwagen ist sehr zu empfehlen, da alles recht weitläufig ist und man zudem flexibler und spontaner unter der Woche oder am Wochenende etwas unternehmen kann.

Nationalpark in Südafrika

Welche „Insider-Tipps“ haben Sie für spätere Studierende der NMU? Was sollte man unbedingt gesehen und besichtigt haben?

Unbedingt zu empfehlen ist das Naturspektakel „Sardine Run“, welches Ende April in Port Elizabeth stattfindet und über die Tauchschule ProDive (welche auch in der Orientierungswoche vorgestellt wird) gebucht werden kann. Nähere Informationen zum Sardine Run findet man im Internet. Auch zu empfehlen ist ein Trip in die Drakensberge, dort den Sani Pass zu machen und Lesotho zu erkunden. Ebenfalls ist die Wildcoast ein schönes Reiseziel. Hierbei bekommt man extrem viele Eindrücke vom traditionellen Südafrika.

 

Haben Sie Tipps für Studenten, die gerade ein Auslandssemester an der NMU planen?

An dieser Stelle kann ich nur nochmal empfehlen, früh genug mit dem Bewerbungsverfahren und der Beantragung des Visums anzufangen. Zudem sollte die Checkliste für das Visum genauestens geprüft werden, da man wieder nach Hause geschickt wird, wenn Dokumente fehlen sollten.

 

Zum Abschluss: Wie bewerten Sie Ihre Zeit an der Nelson Mandela University und wie würden Sie Ihre persönlichen Eindrücke zusammenfassen?

Das Auslandssemester in Südafrika zu absolvieren war für mich persönlich eine der besten Entscheidungen. Das Land ist sehr abwechslungsreich und komplett unterschiedlich im Vergleich zu Deutschland und Europa. Die Menschen, das Leben dort und die Kultur unterscheiden sich in sämtlichen Bereichen, was den längeren Aufenthalt in diesem Land sehr interessant und abwechslungsreich gestaltet hat. Durch das Studieren auf Englisch konnte ich meine Englischkenntnisse erweitern.

 

Würden Sie ein Auslandssemester an der NMU weiterempfehlen?

Den Aufenthalt an der NMU kann ich sehr empfehlen. Die Universität ist sehr gut organisiert, die Menschen dort sind sehr offen und freundlich und das Land bietet viel Abwechslung.