Nelson Mandela University: Erfahrungsbericht über ein Auslandssemester in Südafrika

Von Kristin Bette

 

Wir haben mit unserer Teilnehmerin Kristin Bette gesprochen, die ein Auslandssemester an der Nelson Mandela University (NMU) in Port Elizabeth, Südafrika absolviert hat. In diesem Interview spricht Sie über Ihre Erfahrungen mit den Studienbedingungen in Südafrika, dem Leben als ausländische Studentin in einer vielfältigen Gesellschaft und geht näher auf die Kurse ein. Sie hält wichtige Tipps parat, die für zukünftige Studierende an der NMU insbesondere bei der Kurswahl hilfreich sein können.

Pinguine an einem Strand in Südafrika

Wie waren Sie während Ihrer Zeit in Südafrika versichert und welche Rolle spielte die Universität dabei?

Die ausländische Universität forderte eine südafrikanische Krankenversicherung. Das ist aber sehr problemlos, da man sie online für den gewünschten Zeitraum abschließen kann.

 

Wie haben Sie gewohnt (Studentenwohnheim, WG etc.)? Wie hat Ihnen die Unterkunft gefallen? Würden Sie diese weiterempfehlen?

Für die internationalen Studenten gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man wohnt im Summerstrandhotel oder im CampusKey. Das Summerstrandhotel ist nach wie vor ein Hotel, von dem ein Trakt nur für internationale Studenten reserviert ist. Die Zimmer sind wie Hotelzimmer und man hat einen wöchentlichen Reinigungsservice. Dieser umfasst einen Bettwäschenwechsel, frische Handtücher und Müllentsorgung. Es gibt eine Gemeinschaftsküche, aber ich habe mein eigenes Geschirr immer wieder mit aufs Zimmer genommen bzw. zum Kochen mit in die Küche genommen. Die Küche ist abends ein beliebter Treffpunkt. Tagsüber trifft man sich eher am Pool, den wir jederzeit nutzen durften.

Im CampusKey lebt man in WGs mit unterschiedlich vielen Personen (bis zu 10). Jeder hat sein eigenes Zimmer mit Bad, wobei die Einrichtungen des Bads nicht unbedingt durch eine Wand abgetrennt sind, sodass die Dusche in manchen Zimmern mitten im Raum steht. Die WGs haben auch Gemeinschaftsküchen. Die WGs haben keinerlei Voreinrichtung, das heißt, dass Studenten sich vom Bettzeug über Mülleimer bis hin zu Induktionspfannen alles selbst zulegen mussten.

Für mich war das Summerstrand Hotel die richtige Entscheidung, auch wenn es ein wenig in die Jahre gekommen ist, da ich das Auslandssemester mit meinem Freund zusammen gemacht habe und wir hier zusammenwohnen durften. Im Campuskey herrscht Geschlechtertrennung. Außerdem hat man im Hotel eher einen Rückzugsort, wenn man mal keine Lust auf Party hat.

 

Haben Sie Studiengebühren bezahlt?

Ja, ich habe Studiengebühren in Höhe von ca. 3.000€ gezahlt. Hinzu kamen noch Bücher, die man für fast alle Vorlesungen anschaffen musste. Sie sind aber auch in der Bücherei zur Einsicht erhältlich.

 

Wie haben Sie Ihr Auslandsstudium finanziert?

Ich habe das Auslandsstudium mithilfe meiner Eltern finanzieren können. Außerdem habe ich das PROMOS-Stipendium bekommen.

Seitens meiner Firma habe ich keine außerordentliche Unterstützung bekommen, ich habe nur mein monatliches Gehalt weiter bezogen.

 

Wie hoch schätzen Sie die Lebenshaltungskosten in Südafrika ein?

Circa 300€ im Monat nur für Essen. Die Unterkunft kostete für den gesamten Zeitraum knapp über 1.000€.

Vieles ist hier billiger als in Deutschland, wie z.B, essen gehen (nicht einkaufen), Sprit, Kino, etc.

Nilpferd in Südafrika

Wie haben Sie Ihre Kurse gewählt (online, vor Ort, „course crashing“ etc.)?

Ich konnte die Kurse vorab online wählen. Während der Orientierungswoche fand jedoch die finale Kurswahl statt mit Unterstützung seitens der Gastuniversität.

 

Welche Kurse haben Sie belegt und aus wie vielen Studierenden bestand ein Kurs? Würden Sie Ihre Wahl weiterempfehlen?

 

  • Economics of Financial Markets (3. Semester, 5 deutsche Credits)

    Diesen Kurs habe ich nur gewählt, da an meiner deutschen Heimatuniversität nicht genügend VWL Kurse angeboten werden, um den Zulassungsvoraussetzungen zu einem Master an einigen staatlichen Universitäten gerecht zu werden. Die Professorin war eine Inderin und hat ihre Folien abgelesen – das war sehr trocken. Während des Semesters mussten wir eine Hausarbeit und einen Test schreiben. Am Ende stand noch ein finales Exam an. Wenn man nicht das gleiche Problem der VWL-Credits hat wie ich, würde ich den Kurs nicht wählen. Der Kurs bestand aus circa 100-200 Studenten.
  • Public Economics (3. Semester, 5 deutsche Credits)

    Der Kurs kann eigentlich genauso beschrieben werden wie der vorherige. Auch die zu erbringenden Leistungen waren gleich. Der Kurs bestand aus circa 100 Studenten.
  • Marketing Management (2. Semester, 7 deutsche Credits)

    Der Kurs war arbeitsaufwändig, da Marketing generell viel Lernaufwand bedeutet. Wir mussten eine Gruppenhausarbeit abgeben und zwei Tests während des Semesters schreiben. Am Ende des Semesters stand ebenfalls ein finales Exam an. Viele Thematiken sind einem bereits bekannt, aber teilweise wird es hier anders betrachtet, da Südafrika längst nicht so weit entwickelt ist wie man es von europäischen Ländern kennt. Der Kurs bestand aus ca. 300-400 Studenten.
  • Introduction to Industrial Psychology (1. Semester, 6 deutsche Credits)

    Dieses Fach war nicht so aufwändig, da es ein Erstsemesterkurs war. Dadurch waren die Tests im Multiple Choice Design. Jedoch wurden zwei Tests während des Semester geschrieben und drei Tutorien. Die Dozentin konnte sehr gut präsentieren und die Vorlesungen waren spannend. Jedoch waren die Tutorien teilweise „gemein“. Der Kurs bestand aus ca. 400 Studenten.
  • Web Page Design (2. Semester, 3 deutsche Credits)

    Dieser Kurs ist gut, wenn man einen ersten Eindruck in HTML und CSS erhalten möchte. Der Arbeitsaufwand steht in einem guten Verhältnis zu den Credits. Die Dozentin war super. Der Kurs bestand aus ca. 30-50 Studenten.


Haben Sie in einem festen Programm für internationale Studierende oder zusammen mit den einheimischen Studierenden gelebt?

Ich habe zusammen mit einheimischen Studenten studiert. Jedoch wird man trotzdem von ihnen „abgekapselt“ durch eine separate Orientierungswoche und Unterkunft.

 

Wie hoch schätzen Sie den Anteil der ausländischen Studierenden an der NMU ein?

Wir waren circa 100-200 Studenten, von denen circa 80% Deutsche waren.

 

War es leicht, mit einheimischen Studierenden in Kontakt zu kommen?

Man ist hauptsächlich durch Gruppenarbeiten miteinander in Kontakt gekommen. Der Kontakt basierte dann aber auf der gemeinsamen Arbeit. Insgesamt finden sich eher die internationalen Studenten in Grüppchen zusammen.

Zebras in einem Nationalpark

Wurde ein Sprachkurs angeboten? War dieser als Intensivkurs vor dem eigentlichen Studium oder begleitend?

Es gab so etwas nicht, aber ist auch nicht notwendig. Insgesamt ist Südafrika ein gutes Land, um seine Englischkenntnisse zu verbessern, da viele Kulturen aufeinandertreffen. Es sprechen viele Leute kein perfektes Englisch, sodass die Überwindung mit Akzent etc. zu sprechen, nicht so groß ist.

 

Wie gestaltete sich die Betreuung durch die NMU vor Ort?

Es wurde eine Orientierungswoche veranstaltet. Im Vorhinein lief auch die Organisation der Unterkunft über die Universität.

Bei Visa Problemen hilft einem ebenfalls das International Office der Uni. Und sämtliche finanziellen Dinge laufen über das International Office.

 

Gab es Studentengruppen, die Veranstaltungen, Partys, Ausflüge oder Sprachtandem für internationale Studierende angeboten haben?

Es wurden ein paar Trips für internationale Studenten angeboten. An denen habe ich aber nicht teilgenommen, da wir in unseren Gruppen eigene Reisen geplant haben.

Nur das angebotene Orientierungswochenende war sehr schön, um alle kennenzulernen.

 

Wurden an der NMU Studentengruppen für Sport, Musik oder ähnliches angeboten?

Ja, aber es war nicht so leicht hineinzukommen.

 

Thema „Transport“: Wurde ein Semesterticket angeboten? Haben Sie öffentliche Verkehrsmittel genutzt oder ist ein Auto vonnöten?

In Südafrika gibt es keine vernünftigen öffentlichen Verkehrsmittel. Es gibt Minibusse, die aber nur von der farbigen Bevölkerung genutzt werden und deren Nutzung als hellhäutiger nicht zu empfehlen ist.

Man kann mit dem Rad zur Uni. Wir haben uns jedoch ein Auto über den gesamten Zeitraum gemietet, da es günstig ist und man so auch am Wochenende flexibel ist.

Blick aus einem Auto auf die Landschaft

Welche „Insider-Tipps“ haben Sie für Ihre Nachfolger? Was sollte man an der NMU, in Port Elizabeth oder in Südafrika insgesamt unbedingt gesehen und besichtigt haben?

Alles. Es gibt im ganzen Land so viel Natur zu entdecken.

Um die Kultur kennenzulernen und Kontakt zu Einheimischen herzustellen, sollte man sich für die CSL Kurse interessieren, die von der Uni angeboten werden. Das sind soziale Projekte bei denen man mithelfen kann. Man erhält z.B. einen Einblick in das Leben im Township und zwar nicht auf eine „Touri-Art“. Dort hatte ich wirkliche tolle Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster Art!

 

Wie würden Sie Ihre persönlichen Eindrücke des Studienaufenthaltes beschreiben und wie bewerten Sie Ihre Zeit an der NMU ingesamt?

Mein Auslandssemester war super toll. Es gibt sehr viel zu entdecken und zu unternehmen. Von grünen Wäldern bis hin zu trockener Wüste bietet das Land alles. Auch die Unterwasserwelt sollte man nicht außer Acht lassen.

Außerdem ist das ganze Land sehr erschwinglich, wodurch man noch mehr unternehmen kann. Einzig die Kriminalität bremst einen zu später Stunde etwas aus, da man nach Sonnenuntergang nur noch mit dem Auto oder einem Uber unterwegs sein sollte.

 

Würden Sie den Aufenthalt an Ihrer Gasthochschule weiterempfehlen?

Es ist sehr schade, dass man nur die Chance auf ein PROMOS-Stipendium hat. Dadurch wird das Auslandssemester insgesamt doch teuer. Ohne Unterstützung seitens meiner Eltern wäre es nicht gegangen. Außerdem sollte man sich darauf einstellen, dass man wirklich außerhalb Europas ist und die Menschen hier von anderen Sorgen geplagt werden, als wir in Deutschland.