Erfahrungsbericht über ein Auslandssemester an der Nelson Mandela University in Südafrika: Teil 2

Von Stefanie Schneider

Module und Universitätsleben

Am Montag nach der Orientierungswoche gingen dann auch direkt die regulären Vorlesungen los. Ich habe letztendlich vier Module belegt, von denen ich drei weiterempfehlen kann und von einem enttäuscht war. Man sollte sich bewusst sein, dass das Semester in Südafrika deutlich anders abläuft als in Deutschland. Es ist dort üblich, dass man je Modul einen bestimmten Schnitt in der Semesternote erreichen muss, um überhaupt zu den Prüfungen zugelassen zu werden. Zudem wird das Semester in zwei Terms unterteilt, weshalb der Studentenplan in der ersten Semesterhälfte von dem in der zweiten Semesterhälfte variieren kann.


Da ich in Deutschland Masterstudentin bin, habe ich in Südafrika nur Bachelorkurse aus dem dritten Jahr belegt. In diesen fand ich, dass die Anforderungen zumindest ähnlich zu denen in Deutschland sind. Von anderen Austauschstudenten habe ich aber mehrfach mitbekommen, dass Kurse aus dem ersten und zweiten Jahr einen deutlich geringeren Anspruch haben, da das Schulsystem in Südafrika einfach von der Qualität nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen ist und deshalb das Einstiegslevel in der Universität geringer ist als das in Deutschland. Von daher sollten sich besonders Bachelorstudenten keine allzu großen Sorgen machen.


Insgesamt würde ich die erlebten akademischen Erfahrungen so beschreiben, dass die Quantität der geforderten Leistungen deutlich höher, aber die Qualität eher geringer ist. Es ist definitiv eine kontinuierliche Mitarbeit und auch Vorbereitungen zu Hause nötig, da es häufig üblich ist, dass man während des Semesters je Fach zwei Tests, ein individuelles Assignment sowie ein Gruppenassignment inklusive Präsentation absolvieren muss. Ist von diesen Leistungen die Note dann im Durchschnitt besser als 50% (in manchen Kursen auch nur 40%) wird man zur Abschlussprüfung zugelassen, die dann 60% der Gesamtnote zählt. Wenn man dieses Pensum für alle Module absolvieren muss, ergibt sich ein wirklich nicht zu unterschätzender Aufwand. So war ich auch sehr froh darüber, dass ich in Deutschland bereits die Wissenschaftliche Studie durchgeführt hatte und deshalb nur noch 18 ECTS Credits erreichen musste. Die Anmerkung bezüglich der geringeren Qualität bezieht sich darauf, dass die Austauschstudenten, die den deutschen Standard gewöhnt sind, nicht selten zu den Besten eines Kurses gehören, besonders was beispielsweise Präsentationsfähigkeiten und Ausdrucksweise angeht.


Die meisten Südafrikaner haben Englisch auch nicht als Muttersprache, sie sind meinem Eindruck nach zumindest im Durchschnitt merklich schlechter. Hinzukommt die für Südafrika typische Art und Weise alles kurz vor knapp zu machen, was besonders hinsichtlich Unpünktlichkeit und dem Nichteinhalten von Deadlines in Gruppenassignments wirklich zur Herausforderung werden kann.


Die Notenskala reicht hier prinzipiell von 0-100%, wobei die Notenskala häufig nicht voll ausgeschöpft wird. Gewöhnlich entspricht 50% einer 4,0 und alles ab 80% entspricht einer 1,0 im deutschen System. Die Lehre ist hier davon geprägt, dass es pro Fach ein Buch gibt, auf dem die gesamte Vorlesung aufbaut. Demzufolge können fast alle Inhalte auch einfach in dem jeweiligen Buch nachgelesen werden, meist besteht jedoch Anwesenheitspflicht. Über das Modul Career Psychology war ich enttäuscht. Als HRM Studentin hatte ich mich darauf besonders gefreut, aber da letztendlich die Dozentin nur drei Vorlesungen selbst gehalten hat und alle Stunden danach ausschließlich aus Präsentationen von Studenten bestanden, die meist nicht sonderlich gut waren, würde ich dieses Fach nicht weiterempfehlen. Mein zweites Modul war ein Kurs in International Marketing, der von einer sympathischen und engagierten Dozentin gehalten wurde. Es war ein kleiner Kurs von ca. 18 Studenten, was für eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre sorgte. So habe ich zum Beispiel gleich in der zweiten Woche von dem Kurs eine große südafrikanische Flagge mit allen Unterschriften der Kursteilnehmer als Willkommensgeschenk bekommen, weshalb der Kurs auch nicht nur inhaltlich, sondern auch von den Begegnungen sehr wertvoll für mich war. Mein drittes Modul war Organizational Behaviour, das eine intensive wöchentliche Vorbereitung verlangte, aber auch sehr interessante Themen abdeckte.


Mein viertes Modul, was ich an dieser Stelle besonders hervorheben möchte, nannte sich Community Service Learning. Dieses Modul ist ausschließlich für Austauschstudenten und entspricht zwar nur vier ECTS Punkten, aber hat mir hervorragende Einblicke ermöglicht. Dieses Modul sieht vor, dass man sich einmal wöchentlich in einer sozialen Einrichtung ehrenamtlich engagiert. Hierbei standen viele verschiedene Projekte zur Auswahl. Ich habe zum Beispiel während meines gesamten Aufenthalts zwei Stunden wöchentlich im Zanethemba Babies Haven verbracht. Eine Einrichtung, in der Kinder zwischen Null und vier Jahren in Notfällen kurzfristig aufgenommen werden können und dort durch Betreuungspersonal Tag und Nacht versorgt werden. Zur Auswahl standen beispielsweise auch Projekte in denen mit Straßenkindern gearbeitet werden, Kindertageseinrichtungen und Homework Clubs, aber auch eine lokale Pinguinaufzuchtstation. Begleitet werden diesen Einsätze durch verschiedene Workshops und die Reflektion der praktischen Arbeit erfolgt in Journals, die eingereicht werden müssen. Insgesamt finde ich, dass dies eine einzigartige Chance war mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen und viel über Kultur, das Sozialsystem und das Land zu lernen. Wer daran Interesse hat und sich gerne ehrenamtlich einsetzt, dem kann ich diese Erfahrung und Chance nur empfehlen.


Die Kursinhalte waren für mich in allen Modulen sehr gut zu verstehen. Während viele Südafrikaner teils sonst auch einen starken Akzent haben, haben alle Professoren und Dozenten sehr deutlich und meiner Ansicht nach gut verständlich gesprochen. Hinsichtlich der geforderten zu lesenden Literatur, musste ich zwar teils einige Fachbegriffe nachschauen, insgesamt war aber auch diese gut verständlich.


Neben den akademischen Angeboten der Uni, gibt es viele verschiedene Gesellschaften und Sportangebote durch die Nelson Mandela University. Ich war zum Beispiel in einer Tanzgruppe, wodurch ich auch noch einmal die Möglichkeit hatte nicht nur Internationals, sondern auch Südafrikaner kennenzulernen. Für die Gesellschaften wie auch für die Sportangebote muss man einen Mitgliedsbeitrag zahlen, der jedoch gering ist. Außerdem gibt es auf dem Campus auch viele weitere Events wie zum Beispiel Mottotage zu bestimmten Ländern, Vorträge oder ähnliches, die über das Semester verteilt stattfinden.

Kritik

Einige Kritikpunkte habe ich ja bereits vorab einfließen lassen, auch wenn es insgesamt nicht viele sind. Bezüglich der Universität habe ich lediglich das eine beschriebene Modul zu kritisieren. Außerdem erlebte ich es als sehr schade, dass der Klausurenplan für die Abschlussprüfungen erstens relativ spät bekannt gegeben wurde und zudem mehrfach verändert wurde, was die Planung der letzten Woche erschwerte.


Bezüglich der Unterkunft wäre ich gerne vorab informiert gewesen, dass die Küche nicht voll mit Geschirr und ähnlichem ausgestattet ist, da ich dann einiges aus Deutschland hätte mitbringen können. Außerdem sollten meiner Meinung nach die Studenten vorab darüber informiert werden, dass zusätzlich Kosten je Nacht anfallen, wenn Freunde aus Deutschland zu Besuch kommen und das Zimmer dann entsprechend für einige Tage geteilt wird.


Was keine Kritik, sondern einfach ein Merkmal der Kultur ist, an das man sich gewöhnen muss und was ich häufig als negativ erlebt habe, ist, dass vieles mehr Zeit braucht als man erwarten würde. Angefangen von einem Supermarkt Besuch in dem die Kassiererin gefühlt in Zeitlupe abkassiert, aber beispielsweise auch wenn man Anfragen an jemanden hat oder ähnliches.


Insgesamt ist der gesamte Aufenthalt für mich auf jeden Fall als positiv und empfehlenswert zu bewerten.

Empfehlungen für zukünftige Austauschstudenten

Zukünftigen Studenten, die sich für ein Auslandssemester in Südafrika entscheiden, würde ich besonders empfehlen, sich frühzeitig um das Visum zu kümmern. Das habe ich wirklich als größte Hürde erlebt und es sollte hinsichtlich Zeit- und Geldaufwand nicht unterschätzt werden. Auch sollte bedacht werden, dass das Visum exakt für die Daten des vorzulegenden Flugtickets ausgestellt wird. Ein nachträgliches Verschieben des Fluges ist deshalb nicht möglich, weshalb eventuelle Reisepläne nach Abschluss der Klausuren von vorneherein mitbedacht werden sollten.


Auch kann ich es empfehlen, die Bewerbung mithilfe einer Agentur wie Academic Embassy durchzuführen, wenn man an keine Partnerhochschule der Hochschule Koblenz geht. Dadurch entstehen keine zusätzlichen Kosten, man hat aber einen festen Ansprechpartner für alle Fragen während des gesamten Prozesses.


Auch empfehle ich, sich unbedingt die genauen Semesterzeiten vorab anzuschauen, da diese nicht den Semesterzeiten an der deutschen Universitäten entsprechen. So war meine Anwesenheit in Südafrika beispielsweise bereits Ende Januar erfordert, was glücklicherweise mit meinem Klausurplan des letzten Semesters gepasst hat. Dafür ist das Semester nicht erst im Juli, sondern bereits Ende Juni fertig.


Außerdem sollte man zumindest an der Nelson Mandela University eine gewisse Flexibilität bezüglich der zu belegenden Module mitbringen, da nicht jedes Modul jedes Semester angeboten wird und die Vorlesungszeiten erst zu Beginn des Semesters bekannt gegeben werden.


Des Weiteren sehe ich es als hilfreich an, sich bereits im Vorab zu überlegen, wo man im Groben gerne überall hinreisen möchte, um gegebenenfalls noch Malariaprophylaxe oder ähnliches bereits in Deutschland zu besorgen.


Insgesamt glaube ich, dass es das Wichtigste ist, sich mit Vorfreude und sehr viel Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem auf das Abenteuer Südafrika einzulassen. Mit der Nelson Mandela University hat man dazu meiner persönlichen Erfahrung nach sehr gute Rahmenbedingungen und mit Port Elizabeth eine wunderbare Heimat auf Zeit am Meer!