Erfahrungsbericht über ein Auslandssemester an der Nelson Mandela University in Südafrika: Teil 1

Von Stefanie Schneider

Vorbereitung und Anreise

Schon zu Beginn meines Masterstudiums war für mich klar, dass ich ein Auslandssemester machen werde und dass mein Zielkontinent Afrika sein wird. Nach einem kurzen Blick auf die universitäre Infrastruktur in verschiedenen Ländern und unter Beachtung, dass ich gerne das Semester nutzen wollte, um auch tatsächlich die notwendigen Credits zu erwerben, war schnell klar: Ich werde nach Südafrika gehen!


Nachdem ich mich aus verschiedenen Gründen gegen unsere Partnerhochschule in Durban entschieden hatte, wurde ich durch Academic Embassy auf die Nelson Mandela University (NMU) in Port Elizabeth aufmerksam gemacht. Academic Embassy ist eine unabhängige und vor allem kostenlose Agentur, die Interessierte unterstützt, das Auslandssemester an ausgewählten Partnerhochschulen zu organisieren. Academic Embassy kontrolliert beispielsweise die Bewerbungsunterlagen und übernimmt die Kommunikation mit der Hochschule im Ausland bis eine Zusage vorliegt. Da so ein fester Ansprechpartner auf deutscher Seite gewonnen wird, kann ich die Zusammenarbeit mit dieser oder vergleichbaren Agenturen nur empfehlen.


Doch nicht nur die Möglichkeit durch Academic Embassy Unterstützung zu erhalten, sondern vor allem ein Blick in das Internet hat wirklich sofort meine Begeisterung für die NMU geweckt. Erstens hat mich die Lage am Meer und im Süden des Landes, wo die Kriminalitätsraten deutlich geringer sind als in nördlicheren Teilen des Landes, sofort überzeugt. Der Campus selbst ist aufgrund seiner Lage in einem Nature Reserve, dem größten der südlichen Hemisphäre - meiner Ansicht nach wirklich sehr schön. In der Mittagspause an einer Gruppe Äffchen vorbeizulaufen oder Zebras aus dem Fenster zu sehen, gehört hier zu dem Studienerlebnis einfach dazu. Des Weiteren stellt die NMU viele hilfreiche Informationen auf ihrer Internetseite für Austauschstudenten ansprechend aufbereitet zur Verfügung, inklusive Videos, die es ermöglichen, sich einen tatsächlich bildlichen Eindruck zu verschaffen.


Meine Entscheidung war gefallen, ich möchte an die NMU! So begann ich zunächst meine Bewerbungsunterlagen für die Universität fertig zu stellen, was, wie ich später bei der Beantragung des Visums feststellte, die bei weitem leichteste Aufgabe war. Meine Unterlagen wurden zügig bearbeitet und zu meiner wirklich sehr großen Freude, habe ich bereits im August 2015 die Zusage für das Sommersemester 2016 erhalten. Ich hatte nun auch eine Study Abroad Koordinatorin in Südafrika, die mir mit Rat und Tat zur Seite stand. Mit der Zusage habe ich auch Informationsmaterial und viele Unterlagen zu den nächsten Schritten, beispielsweise bezüglich Wohnung, Visum, Flughafenshuttle, Modulwahl etc. erhalten. Von daher konnte ich nun mit den konkreten Planungen loslegen. Während weitgehend alle der soeben genannten Punkte über die Universität organisiert wurden, musste ich mich nun an die Visumsbeantragung machen.


Bezüglich des Visums kann ich alle zukünftigen Austauschstudenten nur darauf hinweisen, dafür viel Zeit und auch Geld einzuplanen. Zunächst müssen zahlreiche Unterlagen beantragt und zusammengestellt werden, beispielsweise ein Führungszeugnis, ein Gesundheitszeugnis, ein Röntgenbild des Oberkörpers, ein Schreiben der heimatlichen Bank, es muss ein bestimmter Briefumschlag besorgt und zahlreiche Formulare ausgefüllt werden. Da die jeweiligen Behörden auch immer geraume Zeit zur jeweiligen Erstellung brauchen und Termine gemacht werden müssen, kann ich nur empfehlen, sobald die Zusage der Nelson Mandela University vorliegt, auch mit der Organisation des Visums zu beginnen. Liegen alle Unterlagen vor, muss das Visum persönlich, je nach Wohnort, entweder im Generalkonsulat in München (für Einwohner der Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg) oder in der Botschaft Berlin (restliche Bundesländer) beantragt werden. Nachdem man dort seine Unterlagen dann persönlich abgegeben hat, werden dann auch noch einmal gute acht Wochen benötigt, um den Antrag zu bearbeiten. Von daher sollte die Beantragung des Visums nicht unterschätzt und rechtzeitig mit den Vorbereitungen begonnen werden!


Die Flugbuchung nach Port Elizabeth war dagegen sehr unkompliziert. Es wurde von der NMU eine Zeitspanne von drei Tagen vorgegeben, in denen man Ankommen konnte, ohne etwas von der Orientierung zu verpassen und zudem direkt mit einem Shuttle vom Flughafen abgeholt zu werden. Meine Flugroute nahm fast 20 Stunden in Anspruch: Von Frankfurt a. M. ging es über London und Johannesburg nach PE. Von Academic Embassy hatte ich bereits die Kontaktdaten von drei weiteren Deutschen erhalten, die mit mir die Zeit dort verbringen würden und eine davon traf ich direkt in London am Flughafen. Von daher musste ich mich noch nicht einmal alleine an den Umsteigeflughäfen und bei der Einreisekontrolle zurechtfinden, was sehr angenehm war. Zudem war alles gut ausgeschildert, weshalb wir uns gut zurechtgefunden haben. In dem Flugzeug von Johannesburg nach Port Elizabeth haben wir dann bestimmt schon 15 weitere Austauschstudenten kennen gelernt, die das gleiche Ziel hatten wie wir – die Nelson Mandela University. Gemeinsam sind wir dann am Zielflughafen angekommen. Das Abenteuer begann!

Erwartungen & Erfahrungen

Zusammenfassend würde ich auf die Frage, ob meine Erwartungen erfüllt wurden, auf jeden Fall mit ja antworten. Bezüglich der Universität haben mich auch viele Sachen überrascht, zum Beispiel war mir nicht bewusst, dass während des Semesters so viele Leistungsnachweise abgegeben werden müssen. Auch war ich nicht ausreichend darauf eingestellt, dass in Südafrika teils alles etwas länger braucht und vieles weniger geplant erfolgt. Aber alles was beispielsweise in den Informationsunterlagen beschrieben war, habe ich auch so vorgefunden. Häufig war ich sogar positiv überrascht, zum Beispiel hinsichtlich der Orientierungswoche und der Hilfsbereitschaft, die mir entgegengebracht wurde.


Und auch im persönlichen Bereich konnte ich durchweg positive Erfahrungen sammeln, was Freundschaften angeht und vor allem auch das Reisen. Südafrika und seine Nachbarländer bieten viele einzigartige Möglichkeiten. Man sollte auf jeden Fall ausreichend Zeit und auch Geld für Reisen, Wochenendtrips und Events einplanen.


Während das Wetter all seine Versprechen gehalten hat mit quasi durchweg Sonnenschein, war ein Aspekt, den ich völlig gegen meine Erwartungen vorgefunden habe, das Essen. Während ich mir sicher war, viel mehr beispielsweise auf Brei-Gerichte oder ähnliches zu treffen, erwartete mich eine Esskultur, die ich eher mit der USA verbunden habe. Es gibt überall Pommes, Burger, Pizza und sehr, sehr viel Fleisch. Das meiste ist fettig und sehr süß, darauf sollte man sich tatsächlich vorab einstellen und sich auch von dem Gedanken an richtiges Brot verabschieden. Auch wenn wir mit der Zeit immer mehr Geheimtipps entdeckt haben, war die Ernährung wohl tatsächlich der Bereich, der am wenigsten meinen Erwartungen entsprach.


Da Kriminalität, insbesondere auch für meine Familie, ein großes Thema vor meiner Abreise war, muss ich sagen, dass sich dahingehend meine Erwartungen erfüllt haben. Man kann sich tatsächlich nicht so frei bewegen wie in Deutschland, sollte manche Stadtteile meiden und im Dunklen nur mit dem Taxi unterwegs sein. Auch habe ich mir gleich zu Beginn ein Pfefferspray zugelegt. Wenn man sich jedoch an solche Richtlinien hält, habe ich persönlich keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht, auch wenn andere beispielsweise ihre Kreditkarte geklaut bekommen haben. Man sollte sich einfach mit einer größeren Vorsicht als in Deutschland bewegen, aber meiner Ansicht nach muss das kein Aspekt sein, der einen von einem Auslandsaufenthalt in Südafrika abhalten muss. Insbesondere nicht im südlichen Teil des Landes.


Von daher wurden meine Erwartungen an die fünf Monate Auslandsstudium in vielerlei Hinsicht sogar übertroffen.

Unterkunft und Orientierungsprogramm

Angekommen am Flughafen in Port Elizabeth wurden wir sehr herzlich von einer studentischen Hilfskraft aus dem International Office begrüßt und in zwei kleine, für Südafrika sehr typische, Minibusse verfrachtet, unsere Koffer auf einen offenen Anhänger gelegt - Ladungssicherung kennt hier keiner - und los ging es zu unseren Unterkünften.


Noch in Deutschland hatte ich viel Zeit damit verbracht eine sehr lange Liste der Universität mit verschiedenen Unterkünften durchzugehen und meine Favoriten anzugeben. Zunächst war ich sehr enttäuscht, dass ich in keine der kleinen angegeben WGs kam, sondern in das Summerstrand Hotel. Nach den Monaten dort bin ich aber sehr froh über diese Zuteilung. Das Summerstrand Hotel ist ein Hotel in dem in einem Flügel regulärer Hotelbetrieb erfolgt, in dem anderen Flügel ungefähr 25 internationale Studenten untergebracht sind. Diese hatte im Vergleich zu den kleineren WGs den Vorteil, dass ich sehr schnell mit verschiedenen Leuten in Kontakt gekommen bin. Zudem wird einem in Südafrika ja empfohlen sich besonders im Dunkeln nicht alleine zu bewegen. Durch die vielen Studenten im Hotel, gab es aber fast immer jemanden, der das gleiche Ziel hatte, mit dem man gemeinsam zur Uni laufen oder sich abends ein Taxi teilen konnte. Diesen Vorteil hatte ich ursprünglich bei meiner Wohnungsangabe nicht bedacht, aber schätze ihn nach meiner Zeit dort wirklich als sehr hilfreich und wichtig ein.


Jeder Student hat im Summerstrand Hotel sein eigenes, wirklich sehr geräumiges Zimmer mit Kingsize Bett, Schreibtisch, Schränken und Kühlschrank. Die Einrichtung ist zwar nicht unbedingt als modern zu beschreiben, aber voll funktional. Zudem hat auch jeder sein eigenes Badezimmer. Der persönliche Bereich wird zudem ein- bis zweimal pro Woche durch die Zimmermädchen geputzt, was in der Miete von umgerechnet 1000€ für die gesamten fünf Monate inkludiert war. Bettwäsche und Handtücher werden gestellt, was mehr Platz im Koffer schafft. Pro Stockwerk steht eine gemeinsame Küche zur Verfügung, die jedoch nur begrenzt ausgestattet ist, weshalb ich mir gemeinsam mit anderen erst einmal einen Topf, Pfanne etc. zugelegt habe. Insgesamt wird hier aber deutlich weniger gekocht, da die Preise im Supermarkt ähnlich sind zu denen in Deutschland, essen gehen in Port Elizabeth aber deutlich günstiger ist.


Im Stadtteil Summerstrand, in dem alle Studentenunterkünfte und auch die Nelson Mandela University liegt, gibt es viele schöne Restaurants und für umgerechnet vier Euro kann man gewöhnlich gut und inklusive einem Nachtisch essen gehen. Neben den Wohnräumen gehört zum Hotel auch noch ein wirklich toller Pool, der mitgenutzt werden darf. Zur Lage: Zum Strand braucht man weniger als zwei Minuten zu Fuß, zur Uni je nach Campus circa 30 Minuten zu Fuß, Supermarkt und Restaurants sind ebenfalls in Laufreichweite. Alternativ gibt es auch zahlreiche Minibusse, die im Hellen genutzt werden können und die für umgerechnet ungefähr 50 Cent pro Person diverse Strecken abfahren.


Neben der Erkundung der Unterkunft und unserer neuen Umgebung, begann der Aufenthalt in Port Elizabeth mit einem Orientierungsprogramm der Nelson Mandela University. Dieses bestand aus einem freiwilligen, mit extra Kosten verbundenen Orientierungswochenende und einer obligatorischen Orientierungswoche auf dem Campus.


Für das Orientierungswochenende, das in einem ca. zwei Stunden entfernten Nationalpark stattfindet, ist die Teilnehmerzahl auf 90 begrenzt. Ich empfehle eine rechtzeitige Anmeldung, da ich hier viele enttäuschte Mitstudenten kennengelernt habe, die leider nicht mehr mitkonnten. Dieses Wochenende hat mir eine tolle Möglichkeit geboten, meinen ersten Ausflug im neuen Land zu machen und zudem viele meiner zukünftigen Kommilitonen und Freunde kennenzulernen, ebenso wie die zuständigen Mitarbeiter aus dem International Office. Das Programm bestand aus Kennenlernspielen, Wanderungen, Zipplining, Lagerfeuer, Volleyball spielen, südafrikanischem Essen und vielen interessanten Gesprächen. Viele meiner Freundschaften haben an diesem Wochenende ihren Anfang gefunden.


Bei der direkt folgenden Orientierungswoche wurde mir das erste Mal deutlich wie viele Austauschstudenten tatsächlich anwesend waren. Da es kaum einem südafrikanischen Studenten möglich ist, jemals das Land zu verlassen, geschweige denn ein Auslandssemester zu machen, da die Kosten einfach zu hoch sind, hat es sich die Hochschule zum Ziel gesetzt die Internationalität durch Studenten aus anderen Ländern an die NMU zu bringen. So sind fast 10% aller Studenten Internationals. Während von den Studenten, die ihre gesamte Studienzeit an der NMU verbringen, viele der Internationals aus anderen afrikanischen Ländern kommen, ist dies bei den Studenten, die nur für ein oder zwei Semester bleiben - fast 200 pro Jahr - nicht so. Deutsche sind ja bekanntlich überall, so auch dort. Meinem Gefühl nach sind circa 40% dieser Studenten aus Deutschland, weitere 40% aus den USA und die restlichen 20% aus anderen Ländern wie Mexiko, den Niederlanden, Frankreich oder der Schweiz. Am Anfang war ich über die vielen Deutschen ziemlich enttäuscht, aber gerade durch die Vorlesungen und den Universitätssport kam ich auch mit einigen Einheimischen in Kontakt.


In der Orientierungswoche wurden wir zunächst einmal von dem gesamten International Office begrüßt, was ich wirklich als eine sehr große Wertschätzung erlebte. Danach ging es in kleinen Gruppen, die die ganze Woche bestand hatten und von einem einheimischen Studenten geleitet wurden, durch ein Programm mit verschiedensten Elementen. So hatten wir beispielsweise kleine Einheiten zum Thema Sicherheit in Südafrika, über Heimweh, über die Kultur und Stereotypes, aber auch eine Stadtführung, eine Campusführung oder eine Trommel- und Tanzeinheit.


Auch hatte jede Gruppe einen Tag an dem die Immatrikulation erfolgte, was typisch südafrikanisch, etwas chaotisch war. Jeder versuchte an diesem Tag zunächst seinen Stundenplan fertig zu stellen, um dann entsprechend die Kosten zu begleichen und immatrikuliert zu werden. Ich konnte letztendlich nur eines meiner zuvor angedachten Module belegen, da sich die Kurse sonst überschnitten hätten. Teils war auch noch nicht ersichtlich wann die Kurse stattfinden würden, was für etwas Unmut sorgte. Aber man hatte auch nach diesem Tag noch zwei Wochen Zeit Module zu ergänzen und fast einen Monat um Module abzuwählen, ohne dass dies beispielsweise mit Kosten verbunden ist. Von daher habe ich diesen Tag zwar als etwas unzufriedenstellend erlebt, aber letztendlich ging alles nicht nur bei mir, sondern auch bei den anderen Studenten gut aus. Ich habe daraufhin umgehend die HS Koblenz über die Moduländerungen informiert und habe ein neues Learning Agreement problemlos unterschrieben bekommen, worüber ich sehr erleichtert war. Die Orientierungswoche hat dann am Freitagabend mit einer gemeinsamen Rooftop-Party mit allen involvierten Studenten und auch Universitätsmitarbeitern geendet. Insgesamt fand ich die Orientierungswoche wirklich sehr gut und kann nur wärmstens empfehlen, diese nicht zu verpassen.