Erfahrungsbericht 2: Medizinstudium an der Riga Stradins University - Teil 1

Ein Interview mit Stephanie S. aus Bonn (September 2017)

 

Stephanie hat 2011 mit dem Studium an der Riga Stradins University begonnen und es nach sechs Jahren im Frühsommer 2017 mit dem Titel "Medical Doctor" (M.D.) abgeschlossen.

In unserem gemeinsamen Gespräch erzählt sie uns von der Unterkunftssuche, den Freizeitmöglichkeiten und - vor allem - den tollen Arbeitsaussichten für Absolventen der Riga Stradins University

Kannten Sie Lettland oder Riga bereits vor Beginn Ihres Medizinstudiums?

Ich bin damals mit meiner Mutter gemeinsam nach Riga zum Tag der offenen Tür („Open Days“) geflogen und ich muss wirklich sagen, dass das super war. Ich bin der Meinung, dass man – wenn man sich zu einem Studium an einem Ort entscheidet – sich die Stadt einfach mal anschauen sollte. Die Stadt wie auch die Mitarbeiter des International Office haben mich sofort überzeugt, so dass für mich klar war, dass ich an der Riga Stradins University studieren wollte.

 

Würden Sie rückblickend empfehlen, dass man sich im Vorfeld schon eine Unterkunft sucht oder sich zu Studienbeginn zusammen mit anderen Studierenden, die man in der Orientierungswoche kennengelernt hat, auf die Suche begibt?

Ich habe mir damals zum Studium meine Unterkunft im Vorfeld gesucht. Das war für mich sehr angenehmen, weil ich mich dann direkt auf das Studium konzentrieren konnte. Wenn man dann nette Leute kennenlernt, kann man nach einem Jahr immer noch gemeinsam eine Unterkunft suchen. Das Problem kann auch sein, dass man Leute kennenlernt, und man zu Beginn sehr gut miteinander harmoniert und erst wenn man zusammenwohnt, merkt man, dass es doch nicht so klappt.

Eine andere Variante ist, dass man sich in eine WG einmietet, wo bereits Teilnehmer aus dem höheren Semester wohnen, die einem bei der Eingewöhnung behilflich sein können, und sucht sich dann etwas eigenes.

 

Wie gestaltet sich die Orientierungswoche an der Riga Stradins University

Das ist ja bei mir schon eine Weile her. Ich kann mich aber noch erinnern, dass wir damals eine geführte Stadttour gemacht und danach eine Schnitzeljagd unternommen hatten. Im Rahmen dessen wird einem ein wenig die Altstadt und das Zentrum von Riga gezeigt. Ansonsten gibt es eine Einführungsveranstaltung, in der sich die unterschiedlichen Studentenorganisationen vorstellen.

Darüber hinaus gibt es das Buddy-System: Bevor man überhaupt erst in Riga ankommt, wird einem ein Buddy zugeteilt, der entweder Lette oder ein internationaler Student ist und nicht unbedingt Medizin oder Zahnmedizin studiert und einem mit Rat und Tat zur Seite steht.

 

Was für ein Budget muss man im Monat für Lebensmittel einplanen?

Also ich bin pro Woche mit 50 Euro hingekommen – und das beinhaltet die Kosten für das Ausgehen, Cocktails trinken usw. Es kommt natürlich darauf an: wenn man immer zu „Stockmann“ einkaufen geht oder jeden Tag Fleisch essen muss, wird es teuer. Wenn man allerdings auch mal Nudeln mit Pesto oder Tomaten – also der Studentenklassiker – essen kann, dann kommt man wunderbar mit 50 Euro hin.

 

Was sind Ihre Lieblingsorte in Riga?

Die Parks in Riga sind einfach wunderschön und bedeuten für mich absolute Entspannung.

Im Sommer kann man dort einfach liegen, in Flussnähe ein Buch lesen und sich zurücklehnen.

Was ich im Winter ganz toll finde, ist das Tea House. Sehr schön gemacht: das ganze Haus ist verglast und man kann einen Blick auf die Alstadt werfen. Dort kann man über zwei Etagen sitzen und einen heißen Tee und leckeres Gebäck genießen.

Architektonisch sehr schön ist das Jugendstilviertel Rigas, was sich in der Nähe des Anatomikums befindet, so dass man dort einfach mal durchlaufen und in eines der dortigen Cafés einkehren kann, um Kaffee und leckeren Kuchen zu essen. Die Letten backen wirklich sehr leckeren Kuchen!

Und der Strand ist natürlich immer wieder ein schöner Ort, um einmal abzuschalten.

 

Welchen Ausflugstipp in Lettland haben Sie, um einmal der Metropolregion Riga zu entfliehen?

Ich muss gestehen, dass ich wirklich nicht viel in Lettland gereist bin. Mich hat es öfters in die Nachbarländer Estland und Litauen und deren Hauptstädte Tallinn und Vilnius verschlagen, die man auf jeden Fall einmal besucht haben sollte. Beide kann man ohne Probleme mit dem Zug oder dem Auto innerhalb von drei oder vier Stunden erreichen.

Was man auch machen kann ist mit der Fähre nach Finnland oder Schweden überzusetzen. In der Stadtmitte Rigas – unweit des Anatomikums – gibt es eine Anlegestelle für die Fähre, die einen direkt nach Stockholm bringt. Ein toller Wochenendausflug: Freitags nach der Uni auf die Fähre, Samstagmorgen ist man bereits in Stockholm und kann sich dann Sonntags auf den Rückweg machen, so dass man Montagmorgen wieder rechtzeitig im Seminar ist.

Von Riga aus kann man wirklich sehr viele Urlaubsziele erreichen!

 

Ist das Fahrrad auch eine gute Wahl für Riga?

Ja, Fahrradfahren ist auch möglich. Wenn man ein Fahrrad nimmt: unbedingt hochgradig sichern! Ein gutes Schloss kann ruhig mehr als das Fahrrad kosten, damit man vom Rad länger etwas hat. Und wenn man das Fahrrad Zuhause abstellen möchte, am besten direkt in der eigenen Wohnung oder in einem Flur, zu dem nur Bewohner Zugang haben.

 

Wie hat sich Ihres soziales Umfeld in Riga gestaltet? Hatten Sie vorwiegend deutsche Freunde oder war Ihr Freundeskreis eher international geprägt?

Also bei mir war Anfangs so, dass ich schon über Facebook kontaktiert wurde, von jemandem, der mir in der Lerngruppe zugeteilt war. Vor sechs Jahren war es so, dass man vorher die Gruppenliste mit den Namen der Teilnehmer im Vorfeld erhalten hatte.

Dadurch hatte ich zu Beginn des Studiums viel mit schwedischen Kommilitonen zu tun. Wenn man Wert darauf legt, dass man viele deutsche Freunde hat, ist das auch kein Problem. Ich würde aber wirklich empfehlen, sich mit den vielen anderen Nationalitäten zusammen zu tun, weil man viel lernt und mitkriegt, wie z.B. Essenstraditionen und zusammen ausgehen. Und die Schweden z.B. machen zudem echt tolle Partys!

 

Was können Sie uns zu den Kollegen im International Office der Riga Stradins University sagen?

Also ich habe sehr positive Erfahrungen mit dem International Office der Riga Stradins University gemacht. Durch meine Rolle als Semestersprecher habe ich sehr viel mit den Kollegen des International Office kommuniziert. Selbst mit dem Dekan persönlich, der immer nett war.

Lesen Sie auch den zweiten Teil des Interviews!