Interview mit Jay Schnoor von der Oregon State University

Wir haben mit Jay Schnoor von der Oregon State University gesprochen. Hier können Sie die exklusiven Erfahrungen des Marketing Recruitment Manager der OSU mit deutschen Studierenden lesen. Außerdem berichtet er davon, was die OSU besonders macht und welche Campus-Traditionen man in Corvallis auf keinen Fall verpassen sollte.

Erzählen Sie uns etwas über sich und die Oregon State University.

Ich bin der Marketing Recruitment Manager der Oregon State University. Für meine Arbeit reise ich um die ganze Welt und spreche mit internationalen Studierenden über die Universität und warum ein Aufenthalt an der Oregon State lehrreich ist.

Bildung kann in den USA manchmal etwas teurer werden. Bietet die Oregon State University Stipendien an?

Ja, als eine der Top-50-Forschungsuniversitäten in den USA bietet die Oregon State zahlreiche Forschungszuschüsse für Bachelor- und Masterstudenten an. Wir haben viele Stipendien, die 30% oder 50% des Studienpreises abdecken. Absolventen mit einem sehr guten Bachelorabschluss können ihren Masterstudiengang durch eine Forschungsassistenz in der Wissenschaft oder dem Ingenieurswesen auch komplett kostenfrei belegen.

Sie haben erwähnt, dass die Oregon State University eine große Forschungsuniversität ist. Was erwartet einen in den typischen Kursen?

Campus der OSU in Bend

Bei einer großen Forschungsuniversität sollte man erwarten, dass die Professoren auch große Vorlesungsräume unterhalten müssen und sich dabei auf ihre Forschung konzentrieren. Aber wir an der Oregon State sind stolz darauf, dass wir jedem Studierenden den Lehrkörper zugänglich machen können. Auch, wenn im ersten Jahr manche Vorlesungen sehr groß sein sollten, sind doch einige Vorträge und andere Veranstaltungen mit dabei, um den Vorlesungsalltag etwas aufzulockern. Des Weiteren ist das Dozenten-Studierenden-Verhältnis mit 1 zu 22 für die beste Forschungsuniversität in Oregon immer noch sehr gut.

Welche Möglichkeiten hat man als Oregon State-Student, wenn man an bestimmten Themen oder akademische Bereiche besonders interessiert ist, sich außerhalb des Lehrplans fortzubilden?

Hatfield Marine Science Center OSU

Wie ich schon erwähnt habe, ist das deutsche Bildungssystem sehr gut und die Studierende streben nach besonderen Erfahrungen. Ein weiteres Puzzleteil des US-Bildungssystems, das ich bisher noch nicht aufgelistet habe, sind die praxisnahen Erfahrungen während des Studiums. Für forschungsorientierte Bereiche, die außerhalb des Lehrplans stattfinden, haben wir einen Club für nahezu jedes Areal. Zum Beispiel haben wir einen Robotik-Club, der sogenannte „Master Rover“ baut und sich jeden Sommer mit zehn anderen Universitäten misst und dabei immer sehr gut abschneidet. Wir haben den „Formula One Racing Club“, der um die ganze Welt reist. Dieser Club ist von den Studierenden selber geführt, baut Rennautos und bekommt tatkräftige Unterstützung von einem Betreuer aus dem Lehrkörper, sodass man seine Ingenieurskünste wirklich gut einsetzen kann. Zudem haben wir noch einen „Solar-Car Club“. Das sind alles nur Beispiele für die verschiedenen Forschungsfelder und die dazugehörigen Clubs. Die Studierenden werden so durch das Teilnehmen an einem Club nicht nur praktische Erfahrung mit dem US-Bildungssystem sammeln, Sie können so auch in jedem Bereich ein Praktikum in dem jeweiligen Fachbereich der Fakultät ablegen, bei dem ihr Mentor ihnen gerne helfen wird.

Welche Veranstaltungen organisiert die Oregon State University, um den Studierenden Karrieremöglichkeiten und Arbeitserfahrungen näherzubringen?

Mit unserem Fokus auf die Programme und dem experimentellen Lernen an der Oregon State University – als eine typisch-amerikanische Universität - haben wir in jedem Term eine Karrieremesse. Heutzutage ist die amerikanische Westküste für Technologie Start-ups wie Facebook und Google bekannt. In Corvallis haben wir sogar einen Hewlett-Packard-Campus auf dem unsere Studierenden ein Praktikum absolvieren können. Auf unserer Karrieremesse sind aber Unternehmen von der gesamten Westküste vertreten und sogar internationale Unternehmen wie CH2M Hill und Boeing kommen vorbei, um Studierenden unserer Top-Programme anzuwerben. Über unsere studentischen Berater, Aushänge an den Pinnwänden und über die Clubs machen wir unsere Studierende auf diese Karrieremessen aufmerksam.

Was für "Campus Traditionen" sollte ein Student an der Oregon State University kennen und erleben?

Sonnenuntergang Bend OSU

Wenn ich ein deutscher Student wäre, der an eine amerikanische Universität geht, würde ich die Veranstaltungen im September beginnenden Herbstsemesters (Fall Semester) sehr empfehlen. Ich würde sagen, eine der berühmtesten College-Traditionen in den USA ist das Tailgating, eine Art Picknick auf dem Parkplatz des Football-Stadions vor dem Spiel selbst. Wir veranstalten das Tailgating anlässlich von Sportevents im Frühling und Herbst, wobei die größten Partys an den American Football Wochenenden im Herbst stattfinden. Alumni aus ganz Oregon strömen zu diesen Events und treffen sich in Corvallis. Wir haben ein American Football Stadion, das 50.000 Plätze bietet. Jeder zieht sich zu Spielen in den Schulfarben an. Es heißt Tailgating, weil wir im Kofferraum von Trucks Barbecue machen, aufwendige Zelte mit großen Fernsehern, Kühlschränken und viel Bier aufbauen. Weil es ein Event fürs ganze Wochenende ist, kannst du es während deiner Zeit in den USA gar nicht verpassen. Die Oregon State ist in manchen Rankings unter den lebhaftesten 25 Universitäten der USA.

Ein Event wie Tailgating ist eine Möglichkeit für internationale Studierende, in die Oregon State University und den Lebensstil von Corvallis einzutauchen. Gibt es noch andere solcher Möglichkeiten?

Football-Stadion der OSU

Natürlich, sogar einige. Jeden Mittwoch und Samstag im Sommer veranstalten wir einen klassischen Wochenmarkt. Wegen der fortschrittlich denkenden Bevölkerung Oregons kommen alle auf dem Markt zusammen: wir wollen biologisch und lokal einkaufen. Alle Lebensmittelproduzenten belagern die gesamte 1st Street von Corvallis und bringen handwerkliche Arbeiten, Essen und auch Musik mit. Jeden Samstagmorgen gehen meine Familie und ich für ein paar Stunden dorthin, um lokale Produkte zu kaufen und einfach unterhalten zu werden. Für Studierende ist das ein großartiger Ort, um jede Woche Ideen aufzunehmen. Wir haben kulturelle Events jeglicher Art im Programm. Im Sommer haben wir eine Messe namens „Da Vinci Days“, die Handwerkskunst und Musik beinhaltet. Wir haben auch das „Battle of the Bands“ im Frühling, wo Studierende und aufkommende Bands aus Oregon auf dem Campus um eine wichtige Trophäe gegeneinander antreten. Außerdem haben wir eine sehr aktive Studentenverbindungslandschaft mit sowohl weiblichen als auch männlichen Teilnehmern. Auch wenn man nur für ein Jahr rüber kommt, lohnt es sich, einer Studentenverbindung oder Schwesternschaft beizutreten, da das eine typisch amerikanische Erfahrung ist.