Interview mit Mitarbeiterinnen der Nelson Mandela University

Wir haben zwei Mitarbeiterinnen des International Office der Nelson Mandela University (NMU) in Port Elizabeth zum Thema Auslandssemester in Südafrika interviewt. Sie sprachen vor allem über Angewohnheiten der deutschen Studierenden sowie die Möglichkeiten eines Auslandssemesters in Südafrika.

Logo der NMU

Beginnen wir mit der ersten Frage: Wie lernen internationale Studierende und im Speziellen deutsche Studierende das Leben an einer südafrikanischen Universität während eines Auslandssemesters an der Nelson Mandela University kennen?

Nach meiner Erfahrung, ich arbeite seit nunmehr 10 Jahren an der Nelson Mandela University, passen sich deutsche Studierende sehr schnell an und sind grundsätzlich sehr unabhängig. Sie kommen an, sind fleißig und organisiert im Hinblick auf ihre Unterlagen, Kurswahlen und ihre Stundenpläne. Wenn sie zu den Kursen gehen, wissen sie was sie wollen und warum sie hier sind. Ich finde, dass deutsche Studierende im Vergleich zu Studierenden aus anderen Ländern viele Freundschaften mit südafrikanischen Studierenden schließen. Sie sind offener und unabhängiger. Wenn sie einmal herausgefunden haben, wie die Dinge ablaufen, haben sie alles im Griff und setzen ihr Semester wie gewohnt fort. Sie senden mir nur bei Problemen E-Mails. Ansonsten gehen sie gerne auf Reisen und schließen neue Freundschaften. Sie gehen auch gerne in den „German Club“, um Fußball zu schauen.

Ich finde, sie lassen sich schnell auf die neue Kultur ein. Noch nie hatte ich einen deutschen Studierenden, der Heimweh hatte und nach Hause wollte.

 

Sie haben erwähnt, dass die Studierenden gerne reisen. Zu welchen Zielen zieht es die Studierenden nach Ihrem Wissen?

Viele reisen nach Kapstadt und fahren liebend gerne die Garden Route, die Straße nach Kapstadt und das Western Cape, entlang. Sie fahren auch bis zur Wild Coast, die bis St. John‘s und Coffee Bay reicht – die genauen Gegensätze zu Kapstadt. Oft reisen sie nach Lesotho oder Swasiland. Manchmal auch in den Kruger National Park und nach Johannesburg. Wir sehen sie auch häufig Autos mieten und einfach losfahren.

 

Was ist einzigartig am Bildungssystem in Südafrika und dem Campus der Nelson Mandela University? Ist es eher ein klassischer Campus oder etwas besonderes? Was würden Sie den Studierenden gerne näherbringen?

Unser Campus ist direkt an der Küste und den Stränden. Die klassischen südafrikanischen Universitäten sind meistens in Metropolregionen und nicht in Küstennähe, sodass diese Unis nicht die schöne Aussicht wie die NMU haben. Unser Campus liegt in einem Naturschutzgebiet und sehr nah an den Stränden von Port Elizabeth. Man kann wilde Tiere, zum Beispiel Zebras, auf dem Campus beobachten. Es ist wunderschön und vor allem die Lage der NMU macht den Campus so einzigartig.

 

Sie haben schon über die deutschen Studierenden gesprochen und dass sie sich schnell an die Kultur anpassen. Was ist Ihnen zum Ende des Semester aufgefallen? Gibt es etwas, das sie beeinflusst hat und was schätzen deutsche Studierende an ihrem Aufenthalt am meisten?

Deutsche Studierende bilden selten eigene Gruppen, sondern freunden sich auch mit Studierenden anderer Nationen an. Dadurch lernen sie viele Aspekte über andere Kulturen und kommen bis zum Ende des Semesters mit vielen neuen Dingen in Berührung. Manche der deutschen Studierenden haben sogar Freunde bzw. Freundinnen oder Ehepartner während ihrer Zeit in Südafrika gefunden.

Gebäuder der NMU

Wie denken Sie, beurteilen deutsche Studierende ihre Zeit in Südafrika? Wie verändert sich vielleicht ihr Bild von dem Land?

Ich habe Kommentare der Studierenden in den Beurteilungen gelesen und mir ist aufgefallen, dass sie mehr über sich selber wissen, kulturell gebildeter und offener in jeglicher Hinsicht sind. Egal was sie über Südafrika wahrgenommen haben, als sie angereist sind – wenn sie nach Hause fliegen haben sie eine andere Sicht auf die Dinge bekommen.

 

Nun sprechen wir über Ergebnisse eines Auslandssemesters. Wenn die Studierenden ankommen veranstalten Sie eine Orientierungswoche. Erzählen Sie und etwas über diese Woche und wie man die Studierenden an der NMU empfängt.

Wir empfehlen den Studierenden einen oder zwei Tage vor dem Beginn des Orientierungswochenendes anzukommen. Wir bieten dieses optionale Wochenende zur Orientierung, das im Tsitsikamma Falls Adventure auf der Garden Route stattfindet, an. Der Grund für diese Einführung ist, dass sich die Studierenden kennenlernen, weil manche alleine anreisen und noch keinen Kontakt oder Freundschaften zu den anderen aufgebaut haben. Das Wochenende zur Orientierung gibt ihnen die Chance, die anderen Studierenden schon vor der eigentlichen verpflichtenden Orientierungswoche kennenzulernen. Wir kommen am Sonntag wieder auf dem Campus der NMU an und beginnen mit der einwöchigen Einführungswoche am Montag. In dieser findet auch die Begrüßungszeremonie durch unseren Direktor Dr. Jooste statt. Er begrüßt die Studierenden, redet über Südafrika und die südafrikanische Kultur. Anschließend gibt es mehrere Kurse, in denen jede Universitätsgruppe sich und ihr Angebot vorstellt. Es gibt vier Gruppen, bei der jede Gruppe unterschiedliche Sachen präsentiert. Diese können von „Kennenlern“-Kursen über „IT auf dem Campus“ bis zu „Sicherheit auf dem Campus“ oder „Registrierung“ reichen. Hier lernen die Studierende auch mich und das International Office Team kennen. Wir registrieren sie online und zeigen Ihnen unser System. Wir zeigen ihnen die Stadt und den Kragga Kamma Game Park, wo man sich Tiere in freier Wildbahn anschauen kann. Anschließend führen wir sie noch zu einem Einkaufszentrum, um wichtige Dinge während der arbeitsreichen Orientierungswoche zu kaufen.

 

Werden die Studierenden am Flughafen abgeholt und zu ihrer Unterkunft gebracht?

Ja, natürlich. Wir haben eine „pickup period“ während der Anreisephase. Ein Shuttle fährt sie vom Flughafen direkt zu ihren Unterkünften.

 

Also nichts zu befürchten und Sie passen auf die sichere Anreise auf. Welche Möglichkeiten der Unterkunft gibt es?

Die Studierenden können zwischen zwei Unterkünften wählen: CampusKey oder "North at Sum", das ein Teil des Summerstrand Hotels ist.

Strand in Port Elizabeth an der NMU

Welche akademischen und kulturellen Eigenheiten Südafrikas überraschen deutsche Studierende in der Regel?

Ich bin mir nicht sicher wie das in Deutschland ist, aber manche Studierende sich davon überrascht, dass die Anwesenheit bei den Kursen verpflichtend ist. Viele sagen, dass das nicht notwendig sei. Die Studierenden müssen an 80% der Kurse in jedem ihrer gewählten Module anwesend sein, ansonsten ist der Prüfer dazu berechtigt, ihnen die Zulassung zu den Klausuren am Ende des Semesters zu verweigern. Es ist also streng geregelt. Viele der Studierenden aus Deutschland kommen hier an und wir erzählen ihnen, dass es obligatorisch ist, die Klassen zu besuchen und die Antwort lautet häufig: „Wirklich?“. Das ist oft eine Überraschung für sie. Wenn man krank ist und einen Kurs oder eine Prüfung verpasst, muss man sich mit einem Attest entschuldigen.

Das südafrikanische Bildungssystem unterscheidet sich also von dem deutschen. Wir unterrichten mit Lehrbüchern und wenn man einen Test über, beispielsweise südafrikanische Geschichte schreibt, muss man sich auf dieses Buch beziehen. Dagegen haben deutsche sowie amerikanischen Studierende eher eine eigene Meinung zu den Dingen. Hier kann man hingegen nicht viel sagen, ohne sich auf die Literatur zu beziehen.

 

Es gibt also so etwas wie einen Zwischentest, bei dem man seine Argumente durch Bezug auf die Bücher belegen muss.

Zitieren muss man nur in den „assignments“, also in den regelmäßigen Hausaufgaben.

 

Welche Unterschiede erkennen Sie bei den deutschen Studierenden im Bezug auf den Rest der NMU?

Die NMU ist nicht in Kapstadt oder Deutschland. Wir sind hier sehr gelassen und deutsche Studierende könnten vielleicht denken, dass wir langsam sind – etwas, das wir „African Time“ nennen. Das beschreibt den Unterschied zwischen „jetzt“ und „jetzt sofort“, aber am Ende des Semesters verstehen alle was „jetzt sofort“ bedeutet, was eine eigene Bedeutung in Südafrika hat. Es ist schön zu sehen, wie sie am Ende des Semesters die Begriffe aufgenommen haben und im Alltag benutzen. Das ist wirklich schön zu beobachten.

 

Was sollte ein deutscher Studierender mitbringen, um eine schöne Zeit in Südafrika zu haben? Worauf sollte man achten, um möglichst viele Erfahrungen an der NMU zu sammeln?

Am wichtigsten eine gewissen Offenheit. Wenn man offen gegenüber Neuem ist, ist man auch bereit, Erfahrungen zu sammeln und Neues zu lernen. Die Nelson Mandela University ist so vielfältig, weil wir nicht nur Studierende vom Eastern Cape haben, sondern auch viele aus dem Rest von Südafrika und dem südlichen Afrika. Man wird zahlreiche Sprachen vom Afrikanischen Kontinent hören. Wir sind sehr abwechslungsreich und man sollte diese Diversität aufnehmen und Freundschaften mit den anderen Studierenden suchen, egal ob schwarz, weiß oder international. Der offene Geist hilft dabei, denn Südafrika ist wunderschön.

 

Eine letzte Frage: Was würden Sie einem Studierenden sagen, der/die noch unentschlossen ist, ob er/sie ein Auslandssemester an der NMU machen soll?

Wenn man eine Studienerfahrung in einer Stadt machen will, die nicht zu groß ist und dennoch alles hat, was größere Städte haben, dann ist Port Elizabeth genau das Richtige. Es ist eine Gegend, in der man sich schnell wohlfühlt. Wir haben eine ganze Abteilung, die nur für internationale Studierende zuständig ist. Wenn man nach Kapstadt oder Johannesburg geht, fühlt man sich womöglich überfordert. Der Verkehr dort ist verrückt und stressig. Port Elizabeth ist eine sichere Stadt. Hier im Summerstrand Hotel und rund um den Campus kann man zu Fuß zu den Geschäften schlendern, zum Strand gehen oder sich in eines der schönen Restaurants an der Küste setzen. Es gibt auch große Sportereignisse in „P.E.“. Alles ist nah beieinander, was mir als internationaler Studierender wichtig wäre. Ich würde so eine Umgebung einer großen Stadt in Südafrika immer vorziehen.

Flagge von Südafrika